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REISEFÜHRER TOSCANA
Rezensent: Dominik Ruisinger

Das Buch: Toscana: Michael Müller, Michael Müller Verlag, 14. Auflage, Erlangen 2010, 756 Seiten mit 244 Fotos, herausnehmbare Landkarte (1:250.000), Preis: 24,90 EURO, ISBN 978-3-89953-578-5

Die Bestellung: Interesse am Buch? HIER können Sie es direkt und einfach online bestellen.

Der Verleger und Reisejournalist Michael Müller gilt als eines der besten Kenner der Toscana. Dies belegt er auch in der 14. Auflage seines Reisebuch-Klassikers „Toscana“, das 2010 im Michael-Müller-Verlag erschienen ist. Der Hauptgrund: „Toscana“ ist nicht nur ein Reiseführer, der durch Florenz, Siena, Pisa und Lucca, durch Oliven- und Pinienhaine, durch Kulturstädte und Bergdörfer, zu Kunstorten und Sandstränden führt. Sein Führer ist vor allem ein Reisehandbuch und Nachschlagwerk mit hohem Servicecharakter. Und dies von der ersten Seite an.

Detailliert beschreibt er zu Anfang die Anreise aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, weist auf Vignettenpflicht in Österreich, auf Mautkosten und Autobahngebühren, auf alternative Bus- und Bahnverbindungen samt praktischem italienischen Bahnnetzplan, auf Autozug-, Interrail- und Mitfahrzentralen-Optionen hin. Hilfreich seine vielfältigen Tipps: Zu einer Webseite für den besseren Durchblick im Bahn-Tarifdschungel, zu Versicherungen, zu Verkehrsvorschriften, zu Bußgeldern oder zu häufigen Verkehrsschildern: Wussten Sie, was "zona disco" oder "lavori di corso" bedeutet? Nach der Lektüre wissen Sie es. Auch praktische Hinweise zu Unterkünften, zum Erwerb von Bahnfahrkarten und zu Essensgewohnheiten werden Sie dann im Gepäck mit sich tragen.

Eine Lieblingsregion der Deutschen
Fast 50 Seiten reist der Autor durch die Geschichte der Toscana - inklusive Kunstepochen und Künstlergrößen wie Botticelli, Michelangelo, Leonardo da Vinci, Raffael, die mit ihren Werken die heutige Anziehungskraft der italienischen Provinz mit begründeten. Ausführlich geht er auf die Stadt Florenz ein, auf ihre wirtschaftliche Entwicklung, ihre einstige politische Bedeutung mit der Medici-Familie als Machtfaktor, ihre touristische Attraktivität, ohne die Augen vor den negativen Folgen von jährlich 3 Millionen Touristen allein in Florenz zu verschließen.

Im Verlauf seines Reisebuches räumt Müller den Hauptanziehungspunkten der Toscana viel Platz ein: Er wirft sich ins Getümmel der Kunstmetropole Florenz, überquert den vielleicht schönsten Platz Italiens in Siena, durchstreift die Turmstadt Pisa, das mittelalterliche San Gimignano, das hoch gelegene Volterra und den Tuffsteinort Pitigliano. Er macht einen Rundgang durch die wichtigen Museen, besucht die Wahrzeichen der Städte, wandert durch Residenzen und Gartenanlagen und entrinnt der Hektik bei Ausflügen in das Hinterland, wo sich noch ein Caffè in Ruhe auf der kleinen Piazza schlürfen lässt.

Hügellandschaften, Bergdörfer und Weinorte


 Auch Badefreunde kommen auf ihre Kosten: Der Autor gibt Tipps für den Strandurlaub an der Sonnenküste der Versilia, an der etruskischen Riviera und der südlichen Maremma, schippert auf Elba und auf die Inseln des toskanischen Archipels - auch wenn die sehr kurzen Beschreibungen der kleineren Inseln nicht zu den Glanzpunkten des Buches gehören. Die Weinstraße „Chiantigiana“ zwischen Florenz und Siena entlang besucht er die Chianti-Dörfer, erzählt die Legende des Schwarzen Hahnes, empfiehlt Weingüter zu Degustation und Kauf.

Gleichzeitig stellt er noch recht unberührte Winkel der Toscana vor - wie die Pesciatiner Schweiz, das unverfälschte Tal Garfagnana als Eldorado für Aktivurlauber, die Trekking- und Biker-Region Lunigiana oder die fast herbe, von Bodenerosion geprägte Lehmhügellandschaft der Crete Senesi. Seinem Blick entgehen auch nicht die weißen Bergstädte wie Massa Marittima, die bekannten Weindörfer wie Montepulciano oder Montalcino oder die ruhigen Bergorte wie Scarlino und Castagneto Carducci, die - am Hügel klebend - die Toscana erst so liebenswert machen. Müller reist kreuz und quer durch die Provinz, wobei dem Leser die herausnehmbare Landkarte als praktischer Leitfaden hilft, der man nur noch die Angabe von Kilometerzahlen zum Glück wünschen würde.

Reich an Tipps und kleineren Geschichten
Zahllos sind die Tipps, die der Autor zu jedem noch so kleinen Ort zusammengetragen hat: Übernachtung, Essen, Shopping, Verkehrsanbindungen. Weder fehlen Adressen von Internet-Cafés für die E-Mail an die zu Hause gebliebenen oder den schnellen Facebook-Besuch, noch von Sprachkursen, Flohmärkten, Festen.

Spannend sind auch die vielen kleinen Geschichten und Begegnungen, die diesen Führer erst so lesenwert machen. Müller erzählt in gelb unterlegten Abschnitten von geheimen Liebschaften und den Aufständen in Florenz, vom glühenden Arbeiter-Prediger Savonarola und von Perseus, dem Medusentöter, er besucht Leonardo in seiner Geburtsort Vinci und den Komponisten Puccini in Torre del Lago, Michelangelo im Geburtsort Caprese, den italienischen Robin Hood in Capalbio, den Fußballtrainer Giovanni Trappatoni im Küstenort Talamone und weist auf das barbarische Verbrechen der Deutschen Wehrmacht in Falzano hin, für das noch im Jahre 2009 Josef Scheungraber in München zu lebenslanger Haft verurteilt wird. An diesen Stories bemerkt selbst der Toscana-Kenner deutlich, dass der Autor die Region wie seine Westentasche kennt.

Ein Wälzer auf 756 Seiten
Prall mit Informationen und Hinweisen gefüllt, bietet dieses Buch für jeden Geschmack etwas: Für Strandliebhaber, für Gourmets, für Wanderer und für Kunstbeflissene. Denn genau dieser Mix macht diese Region ja auch bei Individualisten wie Familien seit Jahrzehnten so beliebt.

Nur: Diese Informationsfülle hat ihren Preis - in Gewicht. Denn wenn man etwas Kritisches zu diesem Wälzer sagen will, dann vielleicht, dass er mit 756 Seiten nicht unbedingt ein Büchlein ist, das sich in jeder Jacken- oder Handtasche auf den toskanischen Wanderungen bequem mittragen lässt. Ob sich die Leser künftig im Internet- und Smartphone-Zeitalter wohl auf eine praktische App als kostenloser Zusatzservice zum Buchkauf freuen dürfen? Mehr Kritik verdient dieser perfekte Begleiter für Toscana-Kenner wie -Neulinge wirklich nicht.

Weitere Texte zur Toscana bei @text:
- Reportage: Die schönsten Kinder der Toscana - Auf den Inseln des Archipels

     © Dominik Ruisinger