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REISEFÜHRER POLEN
Rezensent: Sven Holly Nullmeyer

Das Buch: Polen: Mark Salter, Michael Müller Verlag, 5. Auflage, Erlangen 2003, 784 Seiten mit
91 Fotos, 52 Übersichtskarten und Pläne, Preis: 22,90 EURO), ISBN 3-89953-130-2

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Polen ist eines der unmittelbaren Nachbarländer Deutschlands. Und dennoch oder gerade deshalb ist der Austausch zwischen Polen und Deutschen oft nicht gerade einfach. Für die meisten ist Polen auch nicht unbedingt ein touristisches Traumziel, anders als beispielsweise die ferneren Länder Spanien und Italien. Zu nah sind die Polen einerseits - was die Geographie und die Geschichte angeht - zu fern auf der anderen Seite - aufgrund ihrer schwierigen Sprache und der wenig bekannten Kultur. Obwohl das so nicht stimmt. Denn, wie Autor Mark Salter zu recht bemerkt, sind den meisten Zeitgenossen berühmte Polen ein Begriff. Nur, dass sie Polen sind, das weiß man nicht, wie Beispiele wie Joseph Conrad, Artur Rubinstein oder auch Nikolaus Kopernikus zeigen. Auch die wechselhafte und mit Preußen und Deutschland zutiefst verbundene Geschichte Polens ist - mit Ausnahme der Zeit ab der Invasion der Nazis - wenig bekannt. Umso dankbarer muss man für die recht ausführlichen politisch-historischen Eingangskapitel des Bandes sein.

Der folgende Reiseteil aber kann leider nicht immer überzeugen. Zwar sind alle Reiseziele in ausreichenden Details beschrieben. Aber zum einen wirkt die Sprache oft etwas behäbig - was an der Übersetzung liegen mag: der Band ist im Original in England in der Reihe der 'Rough Guides' erschienen. Ermüdend wirken auf der anderen Seite Informationen, die oft wiederholt werden; andere Details, wie beispielsweise, dass der Warschauer Klub Stereo Mittwochs Seemannslieder präsentiert, wirken einfach deplaziert - ein Reiseführer ist kein Stadtmagazin, und man möchte doch hoffen, dass die Szene in Warschau sich schneller wandelt als der Michael Müller Verlag Neuauflagen produzieren kann.

Wirklich interessant sind dagegen die kleinen 'Einsprengsel', grau hervorgehobene Texte, in denen Salter auf Aspekte der Landeskultur und -geschichte eingeht. Diese zeigen auch auf, wie gut er sein Thema wirklich kennt. So stellt er verschiedene polnische Schriftsteller wie den großartig abgedrehten Witkacy vor, gibt eine kurze Einführung in die Geschichte des Deutschen Ordens oder zitiert Alfred Döblins 'Reise in Polen', um eine Ahnung vom jüdischen Polen der 20er Jahre zu vermitteln. Alles in allem ist das Buch, besonders für den historisch interessierten Erstbesucher, ein nützlicher Reiseführer, abgerundet mit einer brauchbaren, wenn auch sehr knappen Liste polnischer Ausdrücke - und einem sicher besonders hilfreichen Speiselexikon: Smacznego - Guten Appetit!

     © Dominik Ruisinger