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REISEFÜHRER PARIS
Rezensent: Dominik Ruisinger

Das Buch: Paris MM-City: Ralf Nestmeyer, Michael Müller Verlag, 4. Auflage, Erlangen 2005, 224 Seiten mit 133 Fotos, 21 Karten, Preis: 12,90 €, ISBN 3-89953-197-3
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Paris sei ein "Fest fürs Leben", schwärmte einst Ernest Hemingway. Selbst wenn dieser Ausspruch bereits Jahrzehnte zurückliegt, hat er wenig an seiner Aussagekraft eingebüßt. Noch immer betört die Stadt an der Seine über alle Maßen die Sinne von Bewohnern wie Besuchern. Es ist eine Stadt der Superlative, der Museen und Galerien, der Kathedralen und Plätze, der Revolutionen und Demonstrationen, der Moderne und der Tradition, der Mode und der Stars.

Jetzt hat der Michael-Müller-Verlag die 4. Auflage seines City-Guides 'Paris' publiziert. Autor Ralf Nestmeyer strömert mit weit geöffneten Augen durch die Seine-Metropole. Fasziniert von der Stadt stellt er fest: "Nirgendwo sonst auf der Welt ist es schöner, sich zeitlos durch die Straßen treiben zu lassen, bis man schließlich in einen rauschhaften Zustand verfällt."

Facetten einer Metropole
Auf den ersten Seiten liefert Nestmeyer einen kurzen Abriss der reichen Geschichte - vom antiken Lutetia bis zum heutigen Paris. Dabei macht er deutlich, wie wenig sich die Geschichte von Paris von der Frankreichs bzw. der ganz Europas trennen lässt. Es folgen hilfreiche Beschreibungen der Anreiserouten und Verkehrsmittel.

Ab Seite 70 taucht Nestmeyer in der Stadt ein, stellt ihre Facetten in Stadtspaziergängen und einem Ausflug vor. Jede Tour ist sehr übersichtlich gegliedert: in eine kurze Einführung, in den Spaziergang, in Sehenswertes und in einen Info-Part. Sehr praktisch sind dabei die Stadtplan-Auszüge, die die Orientierung deutlich erleichtern. Die Touren führen auf die Ile de la Cité zur Mutter aller Pariser Kirchen, Notre-Dame, und quer durch das Gebiet des rechten Seineufers mit dem futuristischen Centre Pompidou und dem wahrscheinlich berühmtesten aller Museen, dem Louvre. Sie begleiten ins vornehme Galerienviertel Marais, ins eher szenige Bastille-Viertel, ins traditionelle Viertel der Dichter und Denker Quartier Latin und ins frühere Intellektuellen-Viertel Saint-Germain.

Nestmeyer besucht die berühmten Toten auf dem Friedhof aller Friedhöfe Père Lachaise, wandert über den Montmartre und durch die Reißbrettstadt La Défense, vergnügt sich im Disneyland und begibt sich durch die Passagen von Paris auf die Spuren der Literaturgeschichte. Er führt zu Wohn-, Geburts- oder Jugendorten berühmter Persönlichkeiten, beschreibt die touristisch attraktivsten Metrostrecken, zeigt den besten Blick über die Dächer von Paris und betrachtet kritisch den allmählichen Flairverlust des einstigen Prachtboulevards Champs-Elysées.

Was fehlt, ist ein ausführliches 'Paris by Night'. Selbst wenn viele Pariser noch immer eher neidisch auf das nächtlichen Treiben in London, Berlin oder Madrid blicken, lässt Nestmeyer dieses Thema außen vor. Kaum Informationen zu Clubs, Discotheken etc. - abgesehen von einigen Tipps innerhalb der Paris-Touren. Schade. Denn auch in Paris besteht das Leben aus mehr als dem zugegeben hier überaus reizvollen und animierenden Tagesleben. Ein weiterer Kritikpunkt: In den Band haben sich kleine Orthografie-Fehler eingeschlichten. Zwei Beispiele dafür: Da wird aus "Jeanne d'arc" eine "Jeane d'Arc" (S.95), da verwandelt sich die "Rue Mahler" in die "Rue Mahleur" (S.51) - also vom berühmten Komponisten zum Unglück. Nichts wirklich Schlimmes - doch sehr selten bei den Michael-Müller-Büchern.

Fazit
Nestmeyer schreibt detailliert und in einem sehr bildreichen, lockeren Stil. Er führt durch die Stadt und erzählt gleichzeitig spannende Geschichten, die die Historie besser greifbar und verständlich machen: Die der grausamen Folterung und Hinrichtung des verhinderten Königsmörders Damiens, der Affäre Dreyfus, des Streits um den Eiffelturm oder der aufreizenden Sängerin Kiki, die als Königin von Montparnasse die Künstler faszinierte.

Keine Sehenswürdigkeit, kein Pariser Highlight wird hier ausgelassen - ob Museen, Kirchen, Denkmäler. Was etwas fehlt sind die besonderen Touren, die das unbekannte, nicht überall erwähnte Paris entdecken helfen: Beispielsweise eine Tour durch das unterirdische Paris oder eine Tour durch die Second-Hand-Kleiderfabrikanten. Dies bleibt außen vor. Zu Buchbeginn schreibt Nestmeyer, dass kaum eine andere Metropole auch abseits der klassischen Sightseeing Highlights so viel zu bieten hat. Doch exakt hier hat das Buch seine Schwächen.

So bleibt der Paris-Führer ein handlicher, gut 200 Seiten leichter Standard-Guide, als gelungene Einführung in die Metropole an der Seine, für den ersten, zweiten oder auch dritten Besuch in Paris. Oder für ein verlängertes Wochenende. Dafür ist er perfekt. Und für weit mehr sind diese Cityführer im Grunde auch nicht gedacht.

     © Dominik Ruisinger