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REISEFÜHRER KATALONIEN
Rezensent: Dominik Ruisinger

Das Buch: Katalonien: Thomas Schröder, Michael Müller Verlag, 4. Auflage, Erlangen 2003, 460 Seiten mit 237 Fotos, 25 Karten und Plänen, Preis: 18,90€, ISBN 3-89953-116-7
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Politisch ein Teil Spaniens, im Selbstverständnis eine Nation für sich. Katalonien lebt mit und von diesem Zwiespalt. Und zwar sehr gut. Wirtschaftlich gesund, touristisch hoch im Kurs, unter den deutschen Besuchern die beliebteste Reiseregion Spaniens. Keine Frage, Katalonien gilt als "in" – unter den Sonnenhungrigen wegen der Strandregionen Costa Brava und Costa Dorada, unter den Kultursüchtigen vor allem wegen der Weltmetropole Barcelona, die sich scheinbar ständig neu selbst erfindet. So war es nur die logische Konsequenz, dass der Michael Müller Verlag nun eine neue Auflage seines Reisehandbuchs vorlegte.

Catalunya no es Espanya
Der Autor Thomas Schröder ist ein Kenner des Landes. Ausführlich führt er zu Anfang in die spanische und katalonische Geschichte ein. Er weist auf Sehenswertes hin, widmet sich ausführlich dem Modernisme, dem katalanischen Jugendstil und seinem ungekrönten Kaiser Gaudí, und garniert seine Texte mit nützlichen Hinweisen auf Unterkünfte und Routen bis hin zu kulinarischen Spezialitäten. Wirklich vorbildlich und traveller-freundlich - wie übrigens in den meisten Michael-Müller-Reiseführern.

Gleichzeitig macht Schröder die politischen Unterschiede deutlich. Denn: "Catalunya no es Espanya", Katalonien ist nicht Spanien. Diesem katalonischen Ruf widmet sich Schröder zu Anfang. Er führt ins Català, die Sprache Kataloniens ein, die Kultur der Region und ihre auch historisch bedingten Besonderheiten, auf denen das Autonomie-Verständnis der Bewohner gegenüber der Zentralmacht in Madrid basiert. Warum in dieser Region, in welcher der Stierkampf keine Rolle spielt, unbedingt ein Torero-Abschnitt inkl. Hemingway Literatur-Tipp eingefügt werden muss, und dazu noch in Kombination mit dem seit 10 Jahren in vielen Führern kolportierten Streit über die Stierwerbung von Osborne, bleibt des Autors Geheimnis. Es stört den Lesefluss aber kaum.

Liebe zu Barcelona
In fünf Etappen schreibt sich Schröder durch Katalonien: Die "wilde Küste" Costa Brava mit ihren Nationalparks im Hinterland, die alpine Gebirgswelt der katalanischen Pyrenäen, die Metropole Barcelona, die kleine Costa de Garraf südlich der Millionenmetropole und die Costa Dorada, die Goldküste mit ihren langen Sandstränden.

Ein Schwerpunkt ist natürlich Barcelona. Schröder ist fasziniert von dieser Stadt, die weit mehr ist als Sagrada Familia und Gaudí, als Las Rambas, Picasso und Dalí zusammen. Als ein "Fest für die Liebhaber extravaganter Architektur, avantgardistischen Designs und hochklassigen Museen" schildert er sie. Eine Stadt, deren touristischer Höhenflug spätestens mit der Olympiade 1992 begann und seitdem unvermindert anhält. Eine Metropole im Spannungsfeld zwischen traditionellem Alltagsleben und avantgardistischer Szene, altehrwürdigen Gotikbauten und absoluter Modernität.

Passend dazu sein Service-Teil: Tipps für das perfekte Shopping und den Sprung ins schillernde Nachtleben, Gedanken zum Weltforum der Kulturen 2004 und den damit verbundenen Veränderungsprozesse, Spaziergänge in ein Barcelona, wo die Ursprünge der Stadt und der katalanischen Kultur noch lebhaft sind. Schröder kennt und liebt diese Stadt. Dies ist jeder Zeile zu entnehmen. Da ist auch zu verzeihen, dass vieles bei ihm in Superlativen abläuft.

Katalonien ist mehr 
Schröder macht deutlich, dass Katalonien weit mehr als Barcelona und die viel geliebten wie geschmähten Costa Brava und Costa Dorada ist. Er schlägt sich ins Hinterland der Costa Brava und sucht nach reizvollen Badebuchten, er besucht Kataloniens einzigen Nationalpark Aiguestortes und die Vulkanzone von Olot, er begegnet der internationalen Rafting-Gemeinde an Pyrenäenflüssen und reist in die urwüchsige Bergwelt um Núria, er schildert gemütliche Altstädte und die schicken Künstlerkolonien Cadaqués und Sitges. Auch vergisst er es nicht, einen kritischen Blick auf die wild gewachsenen Tourismus-Hochburgen zu werfen, die heute das lockere Ferienvergnügen symbolisieren. Dabei hätte seine Kritik angesichts der extremen Verschandelung von Umwelt und Stadtbild ruhig deutlicher ausfallen können. Denn die scheußlichen Folgen sind für jeden Besucher wie Leser heute unübersehbar.

Schröders Reiseführer ist von der ersten Seite an reich an Geschichten: Er denkt an die Schutzbestimmungen in Naturparks und an Besonderheiten bei den Verkehrsregeln. Er erinnert an historische Geschehnisse wie den Selbstmord Walter Benjamins an der spanisch-französischen Grenzen in der Nazi-Zeit, warnt vor blutigen Begegnungen mit besorgten Möwenmüttern auf den Illes Medes und erzählt von den lotterieverrückten Spaniern und dem Glücksort Sort. All diese Touren ergänzt er um ausführliche Tipps zu Hotels, Essen und Trinken, zu Fahrradfahrten und Wanderungen, Nachtleben und Shopping und den heute schon obligatorischen Internet-Adressen.

Fazit 
Schröders "Katalonien" ist ein gesunder Mix aus bereits Bekanntem und neuen Entdeckungen, der Lust darauf macht, sofort den nächsten Flieger gen Süden zu besteigen. Prall gefüllt bietet er für jeden Geschmack etwas: für Badenixen, Städtefans, Wanderer, Kulturliebhaber, Nachteulen. So lässt sich mit Fug und Recht behaupten, mit diesem Führer ganz Katalonien im Gepäck mit sich zu tragen.

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     © Dominik Ruisinger