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REISEFÜHRER HAUTE-PROVENCE Das Buch: Haute-Provence / Hautes-Alpes: Ralf Nestmeyer, Michael Müller Verlag, 1. Auflage, Erlangen 2003, 224 Seiten mit 99 Farbfotos, 21 Karten und Plänen, Preis: 12,90€, ISBN 3-89953-104-3 Wer bei der Lektüre von Ralf Nestmeyers Reiseführer "Haute–Provence / Hautes–Alpes" den Titel ignoriert, könnte meinen, er befände sich in einem Land fernab Europas – mit gleichsam rauen, wie reizvollen Landschaften, stolzen, zurückhaltenden und vor allem wenigen Menschen. Das Gegenteil ist der Fall: Der Autor führt uns mitten hinein in Europas wildes Herz, den äußersten Südosten Frankreichs zwischen den Skigebieten der Seealpen und mediterranen Badeorten wie St. Tropez. Wer hätte gedacht, dass selbst in der sommerlichen Hochsaison viele ruhige und entrückte Orte nahe der Cote d’Azur dem Einkehr Suchenden Abstand und Entspannung geben können? Die Region: Welt der Wunder Ab dem 19. Jahrhundert gingen zwei Drittel der jungen Männer des verarmten provenzalischen Ubaye–Tals nach Mexiko, um dort ihr Glück zu finden. Trotz des Vorsatzes, nur so lange in Mittelamerika zu bleiben, bis Wohlstand und Erfolg gesichert wären, kehrten gerade zehn Prozent der Emigranten wieder in ihre südfranzösische Heimat zurück – die überwiegende Mehrheit integrierte sich nach und nach in die aufstrebende mexikanische Gesellschaft. Die wenigen Heimkehrer stellten ihren Reichtum indes deutlich zur Schau und errichteten prunkvolle Herrenhäusern und Mausoleen anstelle simpler Gräber, welche auch heute noch in der Gegend um Ubaye bewundert werden können. Das provenzalische Dorf Lioux zeigt imposante Eindrücke ganz anderer Art: Direkt hinter dem Ort steigt eine mächtige Felswand hundert Meter senkrecht in die Höhe. Landschaftlicher Höherpunkt der Haute-Provence ist aber sicherlich der Grand Canyon du Verdon: Auf 170 Kilometern schneidet die Verdone einen tiefen Riss in die Erde, bis sie schließlich südlich von Manosque in die Durance mündet. Wer dem Lauf des mitunter reißenden Flusses von 2.500 Meter Höhe bis zum Ende folgen möchte, dem hat Nestmeyer anhand von Karten und Bildmaterial einige Impressionen beigefügt. Für Nase, Mund und Augen Die Stärke Nestmeyers, durch erworbene Kenntnis und genaue Beobachtung der Menschen der Haute–Provence, ihre Geschichte, Wirtschaft und Kultur bis zu uhrer besonderen provenzalischen Sprache zu beschreiben und damit tief, aber behutsam in ihre Seele einzudringen, scheint bisweilen nicht frei von Akribie. Dies ist für den praktischen Zweck eines Reiseführers natürlich nicht abträglich, doch es fällt bei Themen wie der Gastronomie und der Freizeit eben auf, dass sie spartanischer behandelt werden, als soziale und historische Themen. Je nachdem, was der Leser von einem Reiseführer erwartet, ist dies aber genau der Unterschied und vielleicht Pluspunkt gegenüber vergleichbarer Reiseliteratur: Wenn der Urlaub in erster Linie ein Entdecken sein soll, so überlässt es der Autor den Reisenden, wo sie ihre Sinne kitzeln können und liefert Hintergründe und Fakten, die sich sonst nur schwer erschließen lassen. Fazit Der Aufbau des Reiseführers "Haute-Provence / Hautes–Alpes" folgt einer klaren und übersichtlichen Struktur: Nach einer allgemeinen Einführung erfährt der Leser Wissenswertes zu Geschichte, Geographie und Gesellschaft. Zur eigenen Recherche folgt eine bibliographische Auswahl von Sachbuch du Belletristik zur Region. Danach bekommt der Leser praktische Reisetipps von A bis Z. Erst nach dieser effizienten Grundlage geht der Autor auf die einzelnen Reiseziele der Region ein, welche er in sieben Kapitel unterteilt, die er topographisch betitelt. Jedes Kapitel beinhaltet die klassischen Tipps zu Lage (stets per Kartenhilfe!) Unterkunft, Gastronomie, Literatur und lokalen Adressen, aber auch Anekdoten, Eigenarten und Geschichten zur Region. Folglich ist eines sicher: Wer in das wilde Herz der Haute Provence aufbricht, ist bestimmt gut beraten, diesen Reiseführer als Pulsmesser ins Gepäck zu fügen. |
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