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DER SCHWARZE PANTHER EUSÉBIO

Eine portugiesische Fußball-Legende im Portrait

Er ist mit Sicherheit der prominenteste Fußballer Portugals. Und dies sagt noch deutlich zu wenig über ihn aus. Denn im Grunde ist er weit mehr als ein Fußballer. Eine lebende Legende, ein Held, ein Idol für wirklich alle Portugiesen, gleich welchen Alters, Geschlechts oder Vereinsfarbe. Wenn sein Name fällt, schnalzen selbst die ansonsten so verfeindeten Fans der Top-Clubs FC Porto und Benfica Lissabon genüsslich mit der Zunge – aus Bewunderung für diesen großen Ball-Künstler, der einst das Land mit seinen Kunststückchen verzauberte, die noch heute fest in Erinnerung geblieben sind. Die Rede ist von Eusébio.

Geboren am 25. Januar 1942 in Maputo, der Hauptstadt der damaligen portugiesischen Kolonie Mosambik, war Eusébio Ferreira da Silva - so sein vollständiger Name - taktisch wie technisch ein brillanter Spieler. Seine Karriere verlief rasant. Schon im Alter von 12 Jahren entdeckte man in Mosambik sein Talent, drei Jahre später startete er eine Profikarriere. 1960, im Alter von gerade mal 18 Jahren, wechselte er zum portugiesischen Starclub Sport Lisboa e Benfica – eine Verpflichtung, die sich für die "Adler" Lissabons noch auszahlen würde.

Einmal Benfica – immer Benfica
Der schwarze Panther, wie der Mittelstürmer aufgrund seiner Schnelligkeit fortan hieß, bescherte Benfica goldene Zeiten. Gleich in der ersten Saison schoss Eusébio seinen neuen Arbeitgeber zur Meisterschaft. 10 weitere Titel, 5 Pokalsiege und 1962 der Gewinn des Europapokals der Landesmeister folgten, mit dem Benfica dank Eusébio sogar die damalige Übermannschaft von Real Madrid vom hohen Sockel stieß. Schnell sprach sich das Talent des dunkelhäutigen Fußballers bei den Spähern der internationalen Fußball-Prominenz herum. Trotzdem hielt der Mann mit dem strammen Schuss seinem Heimatclub die Treue - auch auf deutlichen Druck des herrschenden Diktators Salazar. Über 14 Jahre lang trug der Pelé Portugals das berühmte rote Benfica-Trikot. Dass sich auch die Türen zum Nationalteam schon früh öffnen würden, war klar. Am 8. Oktober 1961 feierte der dunkelhäutige Vollblutstürmer mit 19 Jahren sein Debüt in der 'selecção' und traf – wie sollte es in diesem Fußball-Märchen auch anders sein – gleich ins Tor. Dies sollte der Anfang einer großen Nationalmannschafts-Karriere sein – mit dem Höhepunkt im Jahre 1966.

Tatort London, Fußball-Weltmeisterschaft, 28. Juli: Vor 87.696 Zuschauern besiegt Portugal im Spiel um Platz 3 Russland mit 2:1. Die bis heute größte Trophäe in der Fußball-Geschichte des Landes hat das Team hauptsächlich dem 24jährigen Eusébio zu verdanken. England war Weltmeister, der Star des Turniers aber der portugiesische Jungstar. Er fast allein hatte das iberische Team mit seinen Toren und Tricks zum Erfolg geführt – und sich gleichzeitig mit 9 Toren in 6 Spielen zum Torschützenkönig der WM-Endrunde gekrönt.
Der ewige Torschütze

Auch heute noch, fast 38 Jahre später, ist dieser größte Tag in der portugiesischen Fußball-Geschichte präsent. Und vor allem sein Held. Vergleichbar mit einem Pelé in Brasilien hat er mit seiner spektakulären Spielweise den europäischen Fußball entscheidend mitgeprägt. Er schoss unglaubliche 727 Tore in 715 spielen, wurde fünf mal Torschützenkönig, Europas Fußballer des Jahres und gewann auf Vereinsebene alles, was es zu gewinnen gab. Mit 41 Toren in 64 Länderspielen ist er bis heute der Rekord-Torschütze des Landes – trotz eines Figo, João Pinto oder Rui Costa. Erst im Jahre 1978 beendete der damals 36jährige seine Karriere – nachdem er zuletzt nochmals kräftig Trophäen bei seinen Wanderjahren durch Mexiko, Kanada und die USA gesammelt hatte. Sein Heimatland verdankt Eusébio großartige Momente. Mit ihm verbindet heute jeder Kenner das Spiel mit dem runden Leder in Portugal.

Der Traum des Werbeträgers
Es war daher eine logische Folge, dass der Name Eusébio gerade bei der kommenden Europameisterschaft in seinem Heimatland unübersehbar sein würde. Gerne ließ er sich in die Werbekampagne für das europäische Fußball-Fest einspannen. Als beispielsweise die nationale Fluggesellschaft TAP eine ihrer Maschinen nach dem ewigen Helden benannte, um für die EURO 2004 zu werben, stieg Eusébio selbst damit regelmäßig in die Luft – auch wenn er sich dabei einer seiner persönlich größten Herausforderungen stellen musste: Der Flugangst.

Bei so viel Fußball-Sachverstand darf eine Frage natürlich nicht fehlen: Wer wird laut Eusébio bei der EURO 2004 zum Schluss ganz oben stehen? Für den Star der 60er und 70er Jahre haben viele Mannschaften das Potenzial, sich die Krone aufzusetzen: "Meine Favoriten gleichen denen der meisten anderen Menschen", äußerte sich der 62jährige gegenüber Medien sehr diplomatisch. Titelverteidiger Frankreich, Niederlande, Tschechische Republik, Italien, England, Spanien, Deutschland - die üblichen Verdächtigen also aus dem Munde der Fußball-Legende. Dabei schlägt eigentlich sein Fußballer-Herz für einen ganz anderen Wunsch: Dass es den Gastgebern endlich mal gelingt, einen Titel zu holen. Und dies gerade in seiner Heimat, in Portugal. Denn dies war nicht einmal ihm, dem ewigen Weltstar, mit dem Nationalteam gelungen.

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     © Dominik Ruisinger