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EURO'04 ALS LETZTE CHANCE

Die 'Goldene Generation' soll endlich den Cup für Portugal holen.

Sie heißen Luis Figo, Rui Costa, João Pinto, Pauleta, Fernando Couto und Vítor Baía. Sie sind Stars und werden in ihrer Heimat "goldene Generation" genannt. Kein Wunder. Niemals zuvor verfügte Portugal über so viele Spitzenfußballer auf einmal. Ein Eusébio war ein 'Einzelgänger' in den 60er und 70er Jahren. Doch nun konnte das Land plötzlich auf ein ganzes Heer an Stars zählen, die - über die ganze Welt verstreut - in Spitzenklubs ihre Millionen verdienten – ob bei Lazio in Rom, bei Real Madrid, beim AC Mailand oder bei Paris St. Germain in Frankreich.

Zur Euro 2004 hofft das ganze Land jetzt endlich auf den ersehnten Sieg bei einem großen Turnier. Denn bis auf dritte Plätze bei der WM 1966 und der EM 2000 vor vier Jahren in Belgien und den Niederlanden ließen sich bisher keinerlei Erfolge ernten. Bei "nur" rund 12.000 Mannschaften und 115.000 Spielern, die bei der Federação Portuguesa de Futebol registriert sind -  ist das Ressort an Spitzenspielern auch begrenzt. Zumindest im Vergleich zu den großen europäischen Fußball-Nationen wie England, Deutschland oder Italien.

Vergänglicher Ruhm
Doch zurück zur Europameisterschaft 2000: Bereits bei der EM 1996 hatte das junge Team um Figo, João Pinto und Rui Costa die Zuschauer mit seinem schnellen Fußball entzückt. Die wirkliche Geburtsstunde der "goldenen Generation" auf internationalem Parkett erfolgte jedoch vier Jahre später bei der EURO 2000: Mit begeisterndem Offensiv-Fußball trieben die neuen Stars ihr Team bis ins Halbfinale, wo es erst in einem dramatischen Spiel am späteren Europameister Frankreich scheiterte. Als Portugal Tage später zumindest das kleine Finale um Platz 3 gewann, feierte das ganze Land wie zu Zeiten eines Eusébio. Neue Helden waren geboren.

Wie schnell Ruhm vergänglich ist und ruhmreiche Adler als Suppenhühner in heißen Töpfen enden können, musste das Team nur zwei Jahre später schmerzhaft erfahren. Bei der Weltmeisterschaft in Japan und Südkorea erlebte Portugal eine seiner schwärzesten Stunden, ein völliges Fiasko. Der Geheimfavorit um den Weltfußballer Luís Figo scheiterte völlig überraschend bereits in der Vorrunde. Die hochgelobten Kicker hatten auf ganzer Linie enttäuscht, der zuvor noch gefeierte Nationalcoach António Oliveira musste seinen Hut nehmen. Ein Land weinte.

Ein Weltmeister für den EM-Titel
Jetzt, zwei Jahre später, sind die Tränen wieder getrocknet. Die Hoffnung auf den ersehnten Triumph hat neue Kraft gewonnen – selbst wenn charismatische Spieler wie João Pinto oder Vítor Baía nicht mehr dabei sind. Mit dem Heimvorteil im Rücken hofft das Land auf den großen Triumph. Dabei stehen die Chancen nicht schlecht. Extra wurde mit dem brasilianischen Trainer Luiz Felipe Scolari, der Brasilien 2004 zur WM-Krone geführt hatte, ein im Titelkampf erfahrener Coach verpflichtet, damit Figo & Co. endlich ihr vorhandenes Potenzial bei einem Turnier abrufen können.

Zudem greift mit dem heutigen Starensemble ein Team nach dem Titel, das bereits im Jahre 1991 bei den U-20-Teams den Weltmeistertitel geholt hatte. Doch ob erfahren, eingespielt oder hungrig nach Erfolg, noch etwas wird entscheidend sein, ob für Portugal am 4. Juli 2004 im heimischen 'Estádio da Luz' zu Lissabon das Licht zum Finale angeht: Der Faktor Zeit.

Letzte Chance für Figo & Co.
Denn für die Stars im Nationalteam ist diese EM definitiv die letzte Chance, einen großen Titel für ihr Land zu holen. Die Zeit der "Goldenen Generation" läuft langsam ab. Viele werden nach diesem letzten internationalen Auftritt abtreten, auch wenn Superstar Luís Figo seine eigenen geäußerten Rücktrittsgedanken wieder relativierte: "Ich bin noch nicht sicher, ob ich mich schon zurückziehen werde", verschob der 31jährige Real-Star seine Entscheidung auf einen "geeigneten Zeitpunkt".

Fakt ist: Trotz junger Supertalente wie dem 18jährigen Cristiano Ronaldo von Manchester United wird es mit Sicherheit eine Zeit dauern, bis das Land wieder auf eine solch komplette Truppe an Hoffnungsträgern zurückgreifen kann. Für Figo und die anderen der "Goldenen Generation" gilt es also, jetzt oder nie die Chance auf einen Titel zu nutzen – und damit selbst die Erfolge eines Eusébio in den Schatten zu stellen. Dies ist dem Team absolut bewusst. Man darf nur gespannt sein, ob der Druck, dieses Ziel gerade vor heimischem Publikum zu erreichen, die Spieler in ihren roten Trikots, grünen Hosen und roten Stutzen eher beflügeln oder belasten wird.

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     © Dominik Ruisinger