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PLATZ IN DER SONNE

Die Dresdner Bank ist in Spanien an zwei Orten vertreten: In Madrid kümmert sich die Dresdner Kleinwort Wasserstein um das Investment-Banking, in Marbella widmet sich eine Repräsentanz der Dresdner Bank Schweiz dem Private Banking. Eine Reportage über das spanische Banken- und Wirtschaftssystem mit Fokus auf die Rolle und Aufgaben der Dresdner Bank.

Wenn José Loustau aus dem Fenster blickt, dann liegt ihm das Herz der spanischen Finanzwelt zu Füßen. Aus dem 16. Stock des Gebäudes an der Plaza de Lima genießt er die Sicht auf das moderne Madrid, das Finanz- und Wirtschaftszentrum der Hauptstadt - und damit ganz Spaniens. Unter dem Gebäude fließt der elegante Boulevard Paseo de la Castellana vorbei, in der Ferne schraubt sich die Sierra de Guadarrama empor, von dessen schneebedeckten Gipfeln kräftige Winde über die Millionenmetropole fegen. Ein paar Meter weiter sieht er vom gläsernen Büro des Global Equity Teams direkt auf das Santiago Bernabeu Stadion: "Hätte es kein Dach, könnten wir uns von hier aus sogar die Spiele von Real Madrid direkt ansehen", beschreibt der General Manager die zentrale Lage des Madrider Standorts der Dresdner Kleinwort Wasserstein.

Schnell und erfolgreich
Bereits seit 50 Jahren ist die Dresdner Bank mit einer Repräsentanz in Spanien vertreten. Im Mai 1979 baute sie diese dann zu einer Niederlassung aus – als eine der ersten ausländischen Banken. Heute leitet Loustau ein schlagkräftiges Team aus 29 Mitarbeitern. "Wir agieren als Support-Office für den Investment-Bereich gerade aus der Zentrale in London", umschreibt er ihre Aufgabe. Dabei konzentriert sich die Investment Banking Division der Dresdner Bank auf die Bereiche Equity Sales & Research, Corporate Finance & Advisory und Capital Markets Origination.

Mit Stolz verweist Loustau auf die guten Aussichten für das CF & A Team, die positiven Resultate der CMO-Division und insbesondere die Erfolge im Bereich Global Equity: "Unser Research-Team gilt als eines der renommiertesten in Europa und wurde vielfach mit Preisen für seine exzellente Performance ausgezeichnet, das Sales-Team hat gerade schwierigen Börsenzeiten getrotzt." Die heute so erfolgreiche Arbeit führt der Bankmanager auf den tiefgreifenden Restrukturierungsprozess der letzten Jahre und die strategische Fokussierung auf die jetzigen Kernbereiche zurück. Die Kosten sind seitdem gesunken, die Erträge haben die laufenden Kosten 2003 um ein Dreifaches übertroffen. Und für 2004 wird mit einer verbesserten Lage auf den spanischen Börsen und damit einer gewachsenen Nachfrage nach Anlageprodukten gerechnet. "Heute sind wir ein kleiner aber feiner Player mit exzellentem Ruf auf dem Markt", fasst der 46jährige die gute Positionierung zusammen.

Abgeschlossener Fusionsprozess
Dabei ist die Konkurrenz stark – vor allem, seitdem sich Ende der 90er Jahre der spanische Bankenmarkt konsolidiert hat. Führende Institute fusionierten zu Großbanken. Mit der Banco Bilbao Vizcaya SA und Argentaria SA verschmolzen die Nummer 2 und 3 zur Banco Bilbao Vizcaya Argentaria (BBVA) und verfügen heute gemeinsam mit der Banco Santander Central Hispano (BSCH) über einen Anteil von 56 Prozent am Gesamtmarkt – in Deutschland (noch) undenkbar. Den restlichen Markt teilen sich Sparkassen sowie eine Handvoll mittelständischer Banken, wie die Banco Sabadell, die noch im Dezember 2003 ihren Konkurrenten Banco Atlántico übernahm, oder die äußerst profitable Banco Popular.

Ein Vergleich macht die Konzentration der Bankenlandschaft noch deutlicher: Während in Spanien die Struktur- und Marktbereinigung abgeschlossen ist, befindet sich die Branche in Deutschland noch mitten im Prozess der Konsolidierung. Dies geht aus dem Research Report "Konsolidierung im europäischen Bankenmarkt" des Instituts für Bankinformatik und Bankstrategie hervor. Danach weisen die deutschen Banken die höchste Marktzersplitterung auf. Der gemeinsame Anteil der fünf größten Banken sei mit 20 Prozent so niedrig wie in keinem anderen EU-Land. Eine weitere spanische Besonderheit ist das dichte Filialnetz. "An jeder Ecke finden Sie bei uns eine Bank. Vielleicht verfügen wir über die höchste Dichte Bank pro Einwohner überhaupt", vermutet José Loustau. Kein Wunder: Großbanken wie die BBVA und die BSCH verfügen jeweils über rund 5000 Filialen: übrigens oft eher kleine, dafür sehr moderne und mit hoch entwickelten IT-Systemen ausgerüstete Service-Center.

Starke Wirtschaft
Leistungsstarke IT, weit verbreiteter elektronischer Zahlungsverkehr – Spanien hat den Finanzsektor kräftig modernisiert. Zudem verzeichnete die Wirtschaft selbst in kritischem Umfeld hohe Wachstumsraten. Mit 2 Prozent lag sie deutlich über dem EU-Durchschnitt. Für 2004 hofft der Wirtschaftsminister Rodrigo Rato sogar auf 3 Prozent. Basis für diese positive Entwicklung waren der Beitritt zur Europäischen Union und die Liberalisierung der Märkte. Das Land öffnete sich dem internationalen Wettbewerb und zog Direktinvestitionen an – vor allem aus den EU-Staaten.

Auch beim Bruttoinlandsprodukt zählte Spanien 2002 mit einem BIP von 694 Mrd. EUR zu den zehn wohlhabendsten Industrienationen. Dabei sind regionale Unterschiede unverkennbar. Klar ist die wirtschaftliche Macht auf vier Gebiete konzentriert: Neben Madrid die Regionen im Osten um Barcelona, im Norden um Bilbao sowie im Südosten um Valencia. Doch nicht alle Zahlen sind rosig: Die Inflationsrate war 2003 mit über 3 Prozent die zweithöchste in Europa, die Arbeitslosigkeit mit 12 Prozent immer noch beträchtlich. Zudem ist Spanien mit Strukturhilfen von über 57 Mrd. Euro (2000-2006) der größte Nettoempfänger innerhalb der EU. Man darf gespannt sein, wie sich dies im Kontext einer erweiterten EU entwickeln wird.

Am Hafen der Reichen
Wichtigster Zweig des spanischen Wirtschaftsmotors bleibt der Tourismus, mit knapp 50 Millionen Besuchern pro Jahr – Tendenz aber leicht rückläufig. Eines der Hauptzielgebiete ist Andalusien und die Costa del Sol, die Sonnenküste um Malaga. Zu einer Boomstadt für Reiche und Berühmte hat sich dort das 80.000 Einwohner große Marbella entwickelt. Innerhalb weniger Jahrzehnte entwickelte sich das frühere Fischerdorf zu einem der luxuriösesten Ferienorte am Mittelmeer, zu einem exklusiven Glamour-Treff für Jet-Set, Show-Business und Money Society aus aller Welt. Das Erfolgsrezept ist sichtbar: chic und modern die Innenstadt mit Designerboutiquen und Edelrestaurants, zahllos die Golfplätze am Stadtrand, kilometerlang die Sandstrände, mild das Klima und edel die Millionenyachten der Prominenten, die im Hafen ankern.

Mitten im Hafenviertel Puerto Banús hat die Repräsentanz der Dresdner Bank Schweiz seit April 2002 ihr Domizil in den Räumen der ehemaligen Niederlassung der Dresdner Bank bezogen. "Unser Schwerpunkt liegt eindeutig auf dem Private Banking", erläutert der Leiter Marc Klüttermann. "Wir haben hier die Aufgabe, anspruchsvolle Kunden mit komplexen Vermögensstrukturen zu gewinnen, um sie mit individualisierten Bankdienstleistungen zu beraten und zu betreuen." Dazu werden auf die Bedürfnisse jedes Privatkunden hin "individuell zugeschnittene Anlage-Produkte" entwickelt.

Klein aber fein
Der Anfang ist dabei nicht einfach gewesen. "Wir haben eine intensive Zeit hinter uns", erinnert sich Dominique Franz, Pressesprecher der Dresdner Bank Schweiz in Zürich. "Die Umwandlung des früheren Standortes in eine Repräsentanz hat viele Kräfte gebunden, sodass wir uns ganz auf die Pflege bestehender Kundenbeziehungen konzentrieren mussten." Doch seitdem hat sich das Geschäft immer besser entwickelt.

Auch Marc Klüttermann blickt durchaus positiv auf das vergangene Jahr zurück. So konnte die bestehende Kundenbasis gestärkt werden, so dass er "sehr optimistisch" ins neue Jahr gehe. "Wir haben uns zum Ziel gesetzt, die Akquisition von Neukunden verstärkt anzugehen und das Geschäft weiter auszubauen". Vor allem habe er ein erhöhtes "Bedürfnis nach Beratung" erkannt. So hätten sich Prognosen nicht erfüllt, dass Geschäfte nur noch per Internet-Banking abgewickelt werden. Vielmehr habe der "persönliche Ansprechpartner als Vertrauensmann" seine Bedeutung bewahrt.

Qualitativ hochwertige Services für vermögende Privatkunden aus aller Welt - hier schließt sich der Kreis zum exklusiven Standort. "Der Anteil unserer Kunden aus dem Ausland ist ziemlich hoch", verdeutlicht Dominique Franz. "Viele vermögende Privatpersonen sind in Marbella ansässig. Und diese wollen wir mit unseren Leistungen vor Ort natürlich auch betreuen."

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     © Dominik Ruisinger