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DRACHEN, ADLER, LÖWE Ob Fan vom FC Porto, von Benfica oder von Sporting, schon bei Geburt entscheidet sich die spätere Anhängerschaft. Und daran wird sich bis zum Tod nichts ändern. Ein Fanbericht. Wenn der FC Porto, Benfica oder Sporting Lissabon aufeinandertreffen, sind die Stadien voll. Denn jedes Duell zwischen den drei Großen des Landes ist auch ein Zusammentreffen der Fans. Bleiben die meisten Sitze in den Stadien ansonsten oft frei, werden die Tickets bei Ligaspielen mit den drei Spitzenteams knapp. Vor allem bei direkten Duellen ist kaum eine Karte zu ergattern. Es ist ein Pflichttermin für alle Fans der Clubs. Zu Zehntausenden pilgern sie in den Vereinsfarben zu ihren Lieblingen – ganz in Blau für den FC Porto, in Rot für Benfica oder in Grün für Sporting. Bei diesen Spielen gilt es für alle, dabei zu sein und Farbe zu zeigen - ob beim Jubeln bei Siegen oder tiefen Trauern bei Niederlagen. Bei König Fußball legen die Portugiesen sogar ihre viel beschriebene Verträumtheit, ihren Schwermut ab, kommen aus ihrer Zurückhaltung heraus, arten Spiele gern in erregte Dauerdebatten zwischen Anhängern aus. Kein Wunder: Fußball ist mehr als ein Sport - Fußball ist eine Art Glauben. Jeder Portugiese – und wirklich jeder - hat seinen Verein, dem er die Treue schwört. Und selbst wenn er irgendwo fernab der beiden Metropolen auf dem Lande geboren ist, schlägt sein Herz meist für einen der großen Drei: für Sport e Lisboa Benfica, für Sporting Clube de Portugal oder für den FC Porto. Sie machen den Fußball des Landes aus. Geschichten zu ihren Spielen, ihren Protagonisten inklusive des allmächtigen Klatschs und Tratschs füllen täglich die Seiten der auflagenstärksten Sportzeitungen des Landes wie "A Bola", "O Jogo" und "Record". Ihre Mitgliederzahlen lassen sich mit denen europäischer Top-Vereine messen – wie auch die Größe ihrer Fanclubs – ob es jetzt Portos Super Dragões ("Superdrachen"), die NoNameBoys und Diabolos Vermelhos ("Roten Teufel") von Benfica oder Sportings Juve Leo sind. Für immer Fan Überhaupt heißt das bestimmende Thema Rivalität: Denn Duelle im Fußball sind gleichsam Ausdruck der politischen, wirtschaftlichen wie sozialen Rivalität zwischen Nord und Süd, zwischen Porto und Lissabon, speziell zwischen den Top-Vereinen Benfica und FC Porto. Bei ihren Spielen treffen das Gestern und das Heute, die Tradition und die Moderne aufeinander. Keine Mannschaft wird lieber mit Schmähgesängen verspottet als die Lebemenschen aus der Hauptstadt oder die Arbeiter aus dem Norden. Kein Duell elektrisiert die Massen mehr, kein Sieg versprüht mehr Glückseligkeit wie Trauer unter den Anhängern. Spiele der beiden populärsten Clubs sind Partien, die im Land die meisten Emotionen frei machen, auch wenn sich die Waage seit Jahren klar zugunsten der Blau-Weißen aus dem Norden geneigt hat. Die Erfolge Portos – im vergangenen Jahr das Double mit Pokal und Meisterschaft sowie UEFA-Pokal, Meisterschaft und Sieg in der Championsleague in 2004 – kann Benfica aktuell nicht vorweisen. Dafür eine Menge Tradition. Und die bleibt bis zum heutigen Tag präsent. Viele denken noch immer zuerst an Benfica, wenn es um Fußball geht – in Kombination meist mit dem großen Fußballheroen des Landes, mit Eusébio, der bei Benfica und nicht beim FC Porto sein Geld verdiente. Lebenslange Rivalität Die Rivalität zwischen den drei Vereinen und ihren Wappentieren – dem Drachen des FC Porto, dem Adler von Benfica und dem Löwen von Sporting - zeigt sich auch bei der Nationalelf. Mit Argusaugen wird jede Entscheidung überwacht. Aufstellungen sorgen schnell für Misstrauen, ob einer der drei Vereine bevorzugt wird. Und dies bei Spielern, Verantwortlichen wie Fans gleichermaßen. Nur Eusébio, der legendäre schwarze Panther, konnte einst alle Fans des Landes einen. Und dies, obwohl er seine Laufbahn nur für Benfica bestritt. Er verschaffte Portugal große Erfolge. Dafür lieben und verehren ihn die Menschen. Bis heute ist es keinem weiteren Spieler mehr gelungen, diese Verbindung zwischen den Top-Clubs und ihren Anhängern zu schaffen – egal ob sie Luis Figo, Rui Costa oder Pauleta heißen. Vielleicht bedarf es erst der Wiederkehr eines solchen "Einigers", bis der große Erfolg ins Land zurückkehren wird. Die UEFA EURO 2004 kann es zeigen. 5.030 Zeichen |
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