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"TOMATEN, TOMATEN, WIR WOLLEN TOMATEN"

Tatort Buñol, 30 Kilometer westlich von Valencia. Die erste Tomate fliegt um 12 Uhr. Ein Volltreffer. Die weiße Bluse der jungen Frau hat einen fetten roten Farbklecks erhalten. Doch sie regt sich nicht auf. Nicht im Geringsten. Im Gegenteil. Sie lacht. Es ist der Auftakt zur Tomatina, der größten Tomatenschlacht der Welt.

Die Tomatina gehört zu den populärsten und verrücktesten Volksfesten Spaniens. Fast 40.000 Menschen versammeln sich jeden letzten Mittwoch im August in dem 10.000-Seelenort Buñol, um an der Schlacht mit der roten Frucht teilzuhaben. Schon Minuten vor dem Start herrscht in dem südostspanischen Dorf eine unbeschreibliche Stimmung. Lautstark dröhnt der Schlachtruf durch die Gassen. "Tomaten, Tomaten, wir wollen Tomaten", skandiert die Menge. Die Häuser sind zum Schutz bereits in riesige Plastikplanen gepackt.

Punkt 12 Uhr ist es endlich soweit: Eine Feuerwerksrakete signalisiert den Start. Vollbeladene Lastwagen kippen 120.000 Kilo reife Tomaten auf die Straße. Die Schlacht beginnt. Wer nur kann, schleudert die Früchte auf den Nächstbesten, jeder gegen jeden, niemand ist sicher. Die Augen brennen, man sieht nichts, rauft nach roten Geschossen, wirft blind um sich und watet durch eine riesige Lache aus Saft und Brei. Manche baden sogar darin. Aus den Fenstern gießen Anwohner Wasser auf die Menge.

Es gibt viele Theorien, die den Ursprung dieses äußerst beliebten Treibens betreffen. Eine erzählt von einem Dorfbewohner, der seine Freunde aus Spaß mit Tomaten bewarf und diese entsprechend reagierten. Dies soll im Jahre 1944 gewesen sein. Und seitdem ist das Fest explosionsartig gewachsen. Längst hat die Tomatina die regionalen Grenzen gesprengt, zieht das ansonsten so verschlafene Buñol immer mehr internationale Gäste an. Trotz mehr Tomaten, mehr Besuchern, mehr Presse - die Regeln sind von Jahr zu Jahr gleichgeblieben. So wie die der zweiten Rakete, die nach exakt einer Stunde verkündet: "Feuer einstellen". Sofort ist das Spektakel vorbei. Die Tomaten haben die Straßen rot gefärbt. Im großen unblutigen Tomatenkrieg herrscht Waffenstillstand - zumindest bis zum nächsten Jahr.

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     © Dominik Ruisinger