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EIN FEST FÜR DIE MADONNA

"Es lebe die Jungfrau von Rocío!" ruft ein junger Andalusier. "Viva!" stimmt ihm die Menge zu. "Und sie ist die schönste unter den Madonnen!" Wieder lässt der schon etwas heisere Chor die Königin des Guadalquivir-Deltas hochleben. Wir sind im andalusischen El Rocío. Nur einmal im Jahr zu Pfingsten erwacht dieses Nest aus seinem Schlaf, wenn zur Romería del Rocío eine Million Pilger der Madonna vom Morgentau mit einem dreitägigen Mix aus Wein, Gesang und Tanz huldigen.

Die Romería del Rocío ist wohl die berühmteste und farbenprächtigste Wallfahrt Spaniens. Nirgendwo ist die Verquickung von tiefer Frömmigkeit und ausgelassener Lebensfreude sichtbarer. Auch wir sind von Cádiz aus mit einer Karawane losgezogen, die sich jetzt ihren Weg durch den Naturpark Coto de Doñana bahnt.

Eindrucksvoll: An der Spitze ein Trupp Reiter - der Anzug makellos, der Hut tief im Gesicht, der Blick nach vorne, die Brust stolz nach draußen, die rechte Hand führt locker die Zügel. Direkt dahinter das farbenprächtig geschmückte Ochsengespann mit der Marienfigur, gefolgt von den mit Blumen verzierten Pferdewagen, aber auch Traktoren und Jeeps, die das Eindringen der Neuzeit markieren. Als der Abend hereinbricht, wird das Lager aufgeschlagen. Feuer werden angezündet. Die festlich gewandete Menge lacht und singt, tanzt und trinkt. Sevillanas ertönen, Kastagnetten klappern, Frauen in Trachtenkleidern drehen sich zum Takt der Musik - bis in den frühen Morgen.

Dann ist El Rocío erreicht. Das 500-Seelen-Nest im hintersten Winkel Andalusiens erinnert mit seinen Hütten und staubigen Straßen mehr an den Wilden Westen. Hier entstand der Marienkult von Rocío, als ein Jäger - so eine der Sagen - im Wald auf eine versteckte Madonnenstatue stieß. Seitdem bricht zu Pfingsten ein religiöses Spektakel über den kleinen Ort und die Kapelle herein, wenn Gläubige aus allen Richtungen der "Weißen Taube" - wie sie hier die Madonna liebevoll rufen - ihre Ehre erweisen.

Die 'Viva-Rufe' scheinen kein Ende zu nehmen. Es ist Sonntag nacht, der Höhepunkt der Pfingstwallfahrt. Feierlich wird die Madonna in einer Prozession durch den Ort getragen. Fast alle Pilger möchten den silbernen Baldachin berühren, unter dem die Madonna thront. Schon am nächsten Vormittag wird alles vorbei sein. Die Jungfrau kehrt dann in ihre Kapelle zurück, die erschöpften Scharen machen sich auf den Heimweg, El Rocío fällt wieder in seinen Schlaf. Bis zum nächsten Jahr.

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     © Dominik Ruisinger