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IM FLUSSBETT DER KUNST

Zwanzig Meter hoch ragt ein himmelblauer Betonrahmen in den Himmel. Ein lilafarbener Pflock durchdringt ihn - wie ein Blick das Fenster. „Fenster zum Meer“ hat der Maler Tano Festa sein Kunstwerk am Sandstrand des kleinen Dorfes Villa Margi betitelt. Kaum einen passenderen Namen hätte er ihm geben können, ein Fenster, das sich in die Unendlichkeit des Meeres und des Himmels öffnet. Sichtbar nagt die salzige Luft an ihm. Doch umso stärker die Farbe verblasst, desto mehr passt sich die Kunst in die Landschaft ein.

„La Finestra sul Mare“ ist eines von acht Kunstwerken, die an der nordsizilianischen Küste die „Fiumara d’Arte“ bilden. Ein „Flussbett der Kunst“, das eng mit einem Namen verbunden ist: Dem des Bauunternehmers und Kunstmäzens Antonio Presti. Als im Jahre 1983 sein Vater starb, übernahm er nicht nur dessen Zementwerk. Er beschloss zudem, ihm ein Denkmal zu setzen. Den Auftrag erhielt der namhafte Bildhauer Pietro Consagra. Achtzehn Meter hoch und drei Meter dick steht heute dessen imposante Betonskulptur im ausgetrockneten Bett des alten Flüsschens Tusa – leider überragt von einer Autobahnbrücke, die Palermo mit Messina verbindet.

Das Lebenswerk eines Mannes
Die Skulptur blieb nicht das einzige moderne Kunstwerk im wilden Hinterland der sizilianischen Nordküste. Presti folgte seinem Traum, östlich des malerischen Ferienortes Cefalù einen Skulpturenpark zu schaffen, der zeitgenössische Kunst mit landschaftlicher Wildheit verbindet. Fortan bezog er internationale Künstler in das werdende Open-Air-Museum mit ein. Mit dem Zement seiner Firma entstanden im Umkreis von 80 Kilometern begehbare Großplastiken - in Bergausläufern, in Flusstälern und auf Bergrücken. Ein Kunstgarten, der touristisch wenig entdeckt ist.

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     © Dominik Ruisinger