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TURINER SALONS

"Il Salone di Torino" heißt die Piazza San Carlo. Wohnzimmer oder Salon von Turin. Warum ist leicht zu verstehen. Kaum einen repräsentativeren Platz könnte es geben: Mitten im barocken Altstadtherz, von symmetrischen Reihen imposanter Palazzi umgeben, mit prächtigen Laubengängen, welche die Flaneure 18 Kilometer lang begleiten. Und wenn dieser Platz der Salon der Stadt ist, dann ist das gleichnamige Caffè San Carlo der Zeuge ihrer Geschichte. Und dies bereits seit 1822.

Bohemiens und Künstler, Schriftsteller und Journalisten fanden hier ihr intellektuelles Wohnzimmer – und nicht nur hier. Denn abgesehen von Wien gibt es wohl keine andere Stadt außer Turin, deren Geschehen so durch ihre jahrhundertealten, opulenten Kaffeehäuser bestimmt ist.

Politische Zeitzeugen
Schon als Turin Mitte des 19. Jahrhunderts zum Zentrum der italienischen Einigungsbewegung wird, treffen sich Politiker aller Couleur auf den bordeauxrot-samtenen Bänken der Cafés. Im San Carlo die liberalen Intellektuellen und Patrioten, im edlen Caffè Fiorio nur wenige Meter weiter, die konservativen Aristokraten und Diplomaten. Unter ihnen Ministerpräsident Graf Cavour, der wirkliche Baumeister der späteren italienischen Einigung – mit Vittorio Emanuele als ersten König und Turin als erste Hauptstadt.

Während das Fiorio heute Turins berühmtester Eissalon ist, blieb das San Carlo ein „Königspalast“ für Kaffeegenießer, wie einst Chronisten schwärmten: Ein prunkvolles Ambiente mit vergoldeten Spiegelwänden, Stuckverzierungen, eleganten Kapitellen und einem stolzen Murano-Kronleuchter an der Decke. Hier lässt sich die Vergangenheit fühlen – ohne den Gang der Moderne zu verpassen. Tassen klappern, die Kaffeemaschine dampft, der Boden knarzt. Die weiß befrackten Ober mit ihren Goldknöpfen begrüßen Stammgäste, stellen einem müden Neuankömmling den dampfenden Cappuccino unter die Nase, wechseln hier und da ein paar Worte. Ansonsten herrscht bedächtige Ruhe.

(...)

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     © Dominik Ruisinger