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AUF DER SUCHE NACH DER INNEREN RUHE

7 Klöster stellen auf Mallorca Individualurlaubern wunderschön gelegene Unterkünfte zur Verfügung. Diese meist sehr abgeschiedenen Refugien der Stille auf Klosterbergen oder in tiefen Tälern bieten eine reizvolle wie preiswerte Alternative zu Bettenburgen, Apartments und Fincas. Eine Klosterreise.

Es ist kurz nach Sonnenaufgang auf Mallorca. Von der Dachterrasse des Klosters Bonany bietet sich ein weiter Blick auf das in Nebelschleier getauchte Tal. Nur die Gebirgsspitzen der Sierra de Tramuntana im Westen und der Sierra de Llevant im Osten stechen aus dem morgendlichen, weißen Kleid hervor. Zwischen aufgereihten Zypressen und raschelnden Zwergpalmen schleicht eine schwarze Katze die Treppen zur kleinen Kapelle empor - so vorsichtig, als wolle sie die Stille nicht stören.

Allmählich lassen die Sonnenstrahlen die weite Landschaft sichtbar werden - mit den Ferienorten Alcúdia und Pollença am nördlichen Horizont und dem kleinen Städtchen Petra zu Füßen. Zog von dort einst der Franziskaner-Priester Fra Juníper Serra aus, um Kalifornien zu missionieren, erinnert heute eine Steinplatte vor dem Kloster an den großen Sohn der Insel.

Refugien der Stille
Bonany gilt für viele als schönste Wallfahrtskirche der Ferieninsel. Pilger zieht es jedes Jahr zum Berg des 'Guten Jahres', um der Madonna zu danken, die im Jahre 1600 bei einer Dürre das Flehen der Bürger erhöhte und Regen schickte. Auch Ausflügler kommen, allein des Ausblickes wegen, um an Steintischen im Schatten der Aleppokiefern zu picknicken - oder gleich zu übernachten. Denn Bonany gehört zu den sieben Klöstern Mallorcas, die Besuchern schlichte Unterkünfte anbieten.

Auch wenn pro Jahr rund zehn Millionen Touristen Mallorca besuchen, greift nur eine winzige Minderheit auf die rund 170 Klosterzimmer zurück. Dabei sind diese Refugien der Stille eine reizvolle wie preiswerte Alternative zu den rund 350.000 Betten in Bettenburgen, Apartments und Fincas. Hier kann man noch heute dem enthusiastischen Urteil des Malers und Schriftstellers Santiago Rusiñol zustimmen, der 1922 schrieb: "Diese Insel ist eine Zuflucht, wo du dein volles Maß an Muße haben, dich im Licht duschen und in den Sonnenuntergängen baden kannst."

Die kapellenartigen ehemaligen Mönchszellen in Bonany sind wie in fast allen Klöstern karg ausgerüstet: Holztisch, Stuhl, Bett, auf dem Flur Bad und Toilette, ein Stockwerk tiefer die Gemeinschaftsküche. Ansonsten weder Heizung noch Bar noch Restaurant. Stattdessen Ruhe und Einsamkeit, die selbst auf gestresste Manager beruhigend wirken muss. Schon die französische Schriftstellerin George Sand schrieb 1842, dass auf Mallorca die Stille tiefer sei als anderswo: "Unterbrochen wird sie nur zuweilen, wenn Esel und Maultier ihre Glocken schütteln".

Von Mönchen geführt
Von Bonany aus geht die Fahrt durch Es Pla, die zentrale Flachebene Mallorcas. Hier, mitten im Zentrum der Windmühlen im Ostteil der Insel, ragt der mächtige Randa aus der Ebene. Hoch oben auf dem flachen Rücken des Tafelberges thront weithin sichtbar die Ermita de Nostra Senyora de Cura.

Als wir das 1275 gegründete Franziskanerkloster erreichen, empfängt uns ein aufgeplusterter, krähender Hahn und gurrende Tauben. Auch zahlreiche Besucher haben den Weg hoch gefunden. "Gerade am Wochenende verbringen oft Gruppen Nächte, um von hier ihre Tagestouren zu starten", erklärt uns Tomeo. Der Franziskanermönch gehört zu den drei Ordensträgern, die die Geschicke der Anlage heute leiten. Mitten auf dem Klosterhof fällt uns eine Statue ins Auge. "Ramon Llull, ein selig gesprochener Philosoph", klärt Tomeo auf. "Er hat diesen Ort im 13. Jahrhundert zum Zentrum des mittelalterlichen Geisteslebens gemacht."

Leben im Kreuzgang
Auf dem Weg durch die fruchtbarste Gegend der Insel führt unsere Reise vorbei an Mandel-, Johannisbrot- und Orangenbäumen, die auf dem weinroten Lehmboden wachsen. In der Sonne glitzert das Silbergrau der Olivenbaumblätter. Wenige Kilometer vor Porreres taucht auf der rechten Seite der Berg Zions auf, auf dem das ehemalige Jesuitenkloster Santuari de Monti Sion thront.

Geräuschvoll schöpft ein älterer Mann frisches Wasser aus dem alten Ziehbrunnen, als wir durch das Tor den überdachten Kreuzgang betreten. Ansonsten ist im Klosterhof nur das Schweigen der Stille zu vernehmen. Beim Blick über die weite Ebene fallen uns Parzellen an Weinbaugebieten auf, kommt aus dieser Region doch der Löwenanteil des mallorquinischen Weißweines. In der Ferne begrüßt uns schon der nächste heilige Klosterberg - Sant Salvador.

Hochzeit im Kloster
Es war ein guter Tipp gewesen, Sant Salvador nicht sonntags aufzusuchen, wenn Busladungen an Touristen in das Kloster einfallen. Bei seiner Lage kein Wunder. Nicht nur des weitschweifenden Blicks vom etwas klotzig wirkenden Kloster wegen. Auch die östliche Strandküste mit den Ferienorten Cala d'Or, Portopetro und Portocolom ist nur einen kurzen Ausflug entfernt. Große Beliebtheit genießt Sant Salvador bei Heiratswilligen. "Fast jeden Monat finden in der Kapelle Hochzeiten statt", weiß die Verwalterin Jacinta zu berichten, als sie in das Gewölbe hinabführt.

Knarrend öffnen sich die Türen zu den geräumigen Zellen. Ein paar Meter den langen Gang entlang, das Bad. "Natürlich haben wir heißes Wasser", erklärt Jacinta, deren Augen bei jedem Lächeln zu blitzen scheinen. Als wir die Dusche aufdrehen, kommt warmes Wasser als Rinnsal. Auch dies gehört zum Alltagsleben im Kloster. Im einfachen Gasthof wird deftiges Essen serviert: Lammhaxe und Spanferkel, das typisch mallorquinische Vesperbrot Pa amb Oli und ein kühler Weißwein. Jetzt am Abend sind wir die einzigen Gäste. Nur wenige Touristen scheinen von dieser traumhaften Unterkunft hoch oben zu wissen.

Auf dem Burgberg von Alaró
Vom lieblichen Südosten aus nähern wir uns dem archaischen Nordwesten. Schon aus der Ferne zeichnen sich die hohen Gipfel des mallorquinischen Hochgebirges, die Sierra de Tramuntana, am Horizont ab. Bei Alaró schlängelt sich eine schmale Schotterstraße den Burgberg hinauf. Keine zwei Wagen passen aneinander vorbei. Der Rest der steilen Auffahrt ist über Treppen und Steine nur noch per Fuß zu bewältigen.

Beim Blick nach oben hängen mächtige Mauern direkt über den Felsen. Viel mehr ist vom ehemaligen Castell d'Alaró nicht übriggeblieben, das früher als uneinnehmbar galt. Zu Füßen des Hochplateaus scheint sich die Insel bis zum Horizont auszubreiten. Nur der erfrischende Wind durchbricht die völlige Stille, als wir unter den Schatten spendenden Bäumen Kaninchenbraten und Paëlla genießen.

Zu Gast bei der Schwarzen Madonna
Abgeschieden inmitten eines weit geöffneten Tales der nördlichen Tramuntana liegt das Monastir de Lluc. Das bedeutendste Kloster der Insel ist ein großes Touristenziel. Auch zahlreiche Wallfahrer pilgern her, um die Schwarze Madonna zu ehren, die einst ein Hirtenjunge namens Lluc am heutigen Standort entdeckte. Im angegliederten Konservatorium wohnen rund 60 Jungs im Alter von neun bis vierzehn Jahren, um traditionell wie eh und je seit dem 16. Jahrhundert im Gesang ausgebildet zu werden.

An der Information ist Francisco der Ansprechpartner für Neuankömmlinge. Der grauhaarige Endfünfziger liebt seine Insel: "Wo ist man denn sonst in einer Stunde vom Flughafen an einem Ort, wo man im Meer baden, am Strand liegen oder durch die Berge und Schluchten wandern kann?" Auf eine lange Tradition blickt Lluc als Pilgerherberge zurück. Dabei bietet die Unterbringung durchaus Hotelkomfort. Ausgebucht sind die Pilgerzellen jedoch laut Francisco nur zwischen Oktober und März. In diesen Monaten wohnen viele kleinere Wandergruppen im Kloster. Wenn man von den geräumigen Zimmern auf das Gebirgspanorama blickt, kann man dies gut verstehen.

Aufstieg zum Puig de Maria
Quer durch die aufregende Bergszenerie schlängelt sich eine der schönsten Gebirgstouren bis nach Pollença. Mächtig thront der Puig de Maria über dem kleinen Ort, der trotz Alternativtourismus seinen mallorquinischen Charakter bewahrt hat. An Olivenbäumen und Kakteengärten vorbei zieht sich die steinige Buckelpiste im Zick-Zack-Kurs hinauf. Ein Duft aus Kamille, Rosmarin und Lavendel liegt in der Luft. Auf der Spitze entschädigt das Panorama des Nordens für den Anstieg. Zu Füßen der burgartigen Einsiedelei liegt die Doppelbucht von Pollença und Alcúdia. In der Ferne ist das Cap de Formentor klar zu erkennen, von wo aus eine salzige Brise auf den Berg hinauftreibt.

Insel der Stille
Zurück im Kloster Lluc. Die Uhr der barocken Basilika schlägt sechs Uhr. Die letzten Touristenbusse haben den Ort bereits verlassen. Das Monasterium gehört wieder seinen Bewohnern. Bis um Punkt elf die schweren Tore schließen, wird jetzt "nur noch das Blöken der Schafe, das Meckern der wilden Ziegen und das Zirpen der Grillen zu vernehmen sein", erklärt Francisco lächelnd zum Abschied. Dann wird die Einladung von Santiago Rusiñol aus seinem zauberhaften Buch 'Die Insel der Stille' wahr: "Wenn dich die Unruhe nicht mehr leben lässt, dann folge mir auf eine Insel, wo immer Ruhe herrscht".

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     © Dominik Ruisinger