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![]() ![]() ![]() LAVAPIÈS - DAS VOLKSTÜMLICHE MADRID Lavapiès, das ist die andere Seite der Metropole, der Inbegriff für das populäre Madrid. Hier ist die Großstadt noch das volkstümliche Dorf der Zarzuela geblieben: verwinkelt, verwunschen, geheimnisvoll, politisch aktiv. Es gibt wohl kein anderes Viertel, auf das mehr der Begriff Kiez passt: Eng und steil sind die Gassen am Rande der Altstadt, mit oft verfallenen Hinterhöfen, mit kleinen Geschäften und lauten Bars. Vor den Haustüren sitzen Frauen auf Klappstühlen, Essensgeruch liegt in der Luft, Katzen streunen umher. Das Viertel zwischen Tirso de Molina und Ronda de Valencia ist nicht irgendein Stadtteil, sondern vielleicht der typischste Madrids. Einst lebte hier die jüdische Bevölkerung. Zumindest bis 1492, als die spanische Krone sie vertrieb. Heute ist es der Zufluchtsort der kleinen Leute und Lebenskünstler, der Hausbesetzer und Immigranten, oftmals froh, ein Dach über dem Kopf zu haben. Herzstück ist die Plaza Lavapiés. Hier zeigt sich das Viertel multikulturell. Menschen aus aller Welt kamen her und blieben. Lateinamerikaner, Nordafrikaner, Asiaten. 15 Prozent soll der Ausländeranteil betragen - im Unterschied zu gut 6 Prozent Madrid-weit. Orientalische Imbisse, afrikanische Umhänge - die zentrale Straße Mesón de Paredes zeichnet ein buntes Bild. Nebenan liegt die berühmte Stierkampf-Taberna von Antonio Sánchez (Nr. 13). Kulturell ist viel los: In der Sala Olímpia treten avantgardistische Tanz- und Theatergruppen auf, die Filmoteca Española (Santa Isabel 3) sitzt im 20er-Jahre-Kino Cine Doré, im Casa Patas tanzt man Flamenco. Auch der Flohmarkt Rastro und das moderne Museum Centro de Arte Reina Sofía gehören zu Lavapiés. Früher gab es sogar revolutionäre Clubs. Heute sind es Antirassismus-Komitees und Nachbarschaftsinitiativen, die gegen die Luxussanierung kämpfen. Denn das Viertel erlebt einen Umbruch. Von außen charmante Häuser sind innen verrottet, die Wohnungen zerfallen. Die Stadt investiert viel in die Sanierung. Denn nur zehn Minuten Fußweg von der Puerta del Sol entfernt, ist die Lage exzellent. Viele hier Lebende werden gezwungen sein, ihr kleines Zuhause zu verlassen. Noch ist das Viertel kein schicker Ort geworden, bleiben die langjährigen Bewohner hier, lieben es die Künstler und Intellektuellen. An der U-Bahnstation liegt das Café Barbieri. Über 100 Jahre alt ist es fest im Herzen der Bewohner verhaftet. Man könnte diesen Ort als Sinnbild für sein Viertel bezeichnen, für dieses kleine in sich geschlossene Dorf, das die Weltmetropole für einen Moment draußen lässt. 2.158 Zeichen |
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