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IM BLICKFANG DER MODERNE

Barcelona ist eine Stadt der Moderne. Dies weiß jeder Besucher spätestens beim Anflug auf den High-Tech-Flughafen, stammt "El Prat" doch aus der Hand keines geringeren als Ricardo Bofill. Das Vorbild des katalanischen Stararchitekten ist übrigens Gaudí. Nicht nur deshalb ist diese Begegnung ein perfekter Einstieg in eine Stadt der modernen Kunst, der eigenwilligen Architektur und des guten Designs, die hier zum täglichen Leben gehören - von morgens bis nachts.

Dieser ständige Energiefluss geht auf den Tod Francos im Jahre 1975 zurück. Plötzlich beginnt die Stadt zu atmen, zu leben, aufzublühen. Oriol Bohigas gibt als oberster Stadtplaner neuen Ideen eine Bühne. Er schafft öffentliche Parks und verwandelt Barcelona in ein riesiges Freilichtmuseum berühmter Künstler: Der amerikanische Architekt Frank O. Gehry installiert seine Riesenskulptur "Goldener Fisch" vor dem Olympischen Dorf, Javier Mariscal eine Riesengarnele, Roy Lichtenstein den hohen, bunten "Barcelona Head" an der Moll de la Fusta, Joan Miró seine Plastik "Frau mit Vogel" im Parc de l'Escorxador.

Barcelonas Schaffensdrang setzt ständig neue Ressourcen frei. Die Stadt wird zur Hochburg modernen Designs und Design zur wirtschaftlichen Größe. Die Kreativität greift auf alle Lebensbereiche über. Durchgestylte Läden, wie das schicke Designer-Kaufhaus Vinçon (Passeig de Gràcia 96) als Inbegriff für Wohndesign oder die Ediciones de Diseño (Carrer Mallorca 291) ziehen die Menschen bis heute an. Auch das aktuelle Retro-Design der 70er Jahre schlägt sich in Geschäften wie dem Friseur Polopelo nieder - mit Plastikmöbeln und in braun-orangene Töne gehüllt.

Junge Architekten und Designer toben sich auch nachts aus. Javier Mariscal, der Erfinder der Maskottchen von Olympia 92 ("Cobi") und Expo 2000 ("Twipsy"), und Alfredo Arribas sind nur zwei, die sich mit der aufwändigen Gestaltung von Bars, Restaurants, Clubs Denkmäler setzen: Zur Mariscal-Inszenierung Torres de Àvila (Poble Espanyol) führt ein Fahrstuhl, zu Arribas Velvet (Balmes 161) eine Zugbrücke. In Club-Tempeln wie Nick Havanna (Rosselló 208) oder im Design-Preisträger Network (Avinguda Diagonal 616) flimmern TV-Bildschirme und schwingen Pendel über den Köpfen der Gäste.

Heute gilt das Industrieviertel Poblenou als neue Heimat vieler Künstler, die sich in ausgebauten Fabrikhallen rund um das Kulturzentrum Hangar niederlassen. Hier zeigt sich die Stadt im Um- wie Aufbruch, hier entstehen Ideen - elegant wie schrill, verspielt wie straight, retro wie hypermodern -, die Barcelona weiterhin an vorderster Stelle moderner Architektur und Kunst halten. Und selbst wenn die Designer von Vasava Artworks behaupten, "Barcelona gehört noch nicht zu den Städten mit international anerkannten Top-Designern oder Top-Künstlern", so heißt es schon im Nebensatz: "Aber wir können das schaffen. Es ist nur eine Frage der Zeit."

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     © Dominik Ruisinger