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PORTUGAL - LAND DER SONNE
Eine Reise durch die Heimat der Fußball-Europameisterschaft 2004

Portugal ist ein reiches Land - historisch, kulturell wie landschaftlich. Die touristische Aufmerksamkeit beschränkt sich jedoch meist auf wenige Orte: Die Algarve im Süden, die Schönheit Lissabons und - mit Abstrichen - die nördliche Hafenstadt Porto mit dem berühmten Portwein als Nationalgetränk. Zudem blieb Portugal immer im Schatten des großen Bruders Spanien. Schade. Denn das Land am südwestlichsten Zipfel der iberischen Halbinsel bietet mehr - viel mehr. Nur wer ist dieser Staat genau, in dem vom 12. Juni bis 4. Juli der neue Fußball-Europameister gekürt wird? Wo sich in diesem Sommer die besten 16 Mannschaften Europas zum sportlichen Groß-Event einfinden?

Die "República Portuguesa" ist ein Land mit einer mehr als 3000 Jahre alten Geschichte und einer großen Tradition als Nation der Seefahrer und Eroberer. Es gab aber auch schwere Zeiten. Das düsterste Kapitel markierte die Diktatur unter dem Herrscher António de Oliveira Salazar von 1926 an. Erst im Jahre 1974 setzte die "Nelkenrevolution" Europas längster Diktatur ein - unblutiges - Ende. Heute leben gut 10 Millionen Einwohner in dem landwirtschaftlich geprägten Land - davon allein gut 2 Millionen im Großraum der Hauptstadt Lissabon. Wirtschaftlich bildet der Tourismus eine zentrale Säule. So strömen jährlich weit mehr als 10 Millionen Gäste vor allem aus Spanien und Deutschland in das beliebte Reiseziel, um Sonne, Strand und Kultur gerade entlang der fast 900 Kilometer langen Küste zu genießen.

Schub für den Tourismus
Portugal hofft jetzt, mit der Schubkraft der EM 2004 weitere Besucher anzulocken. Alle acht Spielstätten des kommenden Fußballfestes sind über das gesamte schmale Land verteilt, um die Vorzüge ganz Portugals ins rechte Licht der Medien und der weltweiten Öffentlichkeit zu rücken. Und es gibt in diesem Sonnenland viel zu entdecken, wie eine kleine Reise vom höchsten Norden in den tiefsten Süden zeigt.

Schon direkt hinter der spanischen Grenzprovinz Galizien liegt der nördlichste Austragungsort der Fußball-Endrunde: Braga zählt zu den ältesten Städten der iberischen Halbinsel. Gerne wird der Ort auch "portugiesisches Rom" genannt - angesichts der schier endlosen Zahl an Kirchen und Kapellen kein Wunder. Gleichzeitig ist es gelungen, das Alte mit dem Modernen zu verbinden: Als religiöses Zentrum seit Zeiten weit vor der Staatsgründung auf der einen und Stadt mit der jüngsten Bevölkerung Europas auf der anderen Seite, mit bezaubernden Heiligtümern wie der berühmten Wallfahrtskirche "Bom Jesus" und dem Aufstieg zum portugiesischen Mekka der IT-Industrie.

Heimat des Portweins
Nur 20 Kilometer weiter südlich liegt inmitten der grünen und fruchtbaren Region Minho die "Wiege der Nation": Guimarães. Hier wurde 1110 mit Afonso Henriques der Gründer des portugiesischen Königsreichs - damals "Portucale" - geboren. Die mittelalterliche Stadt ist ein schöner, lebhafter Ort, mit einem reichen Kulturerbe an Klostern und Kirchen, Pflasterstraßen und kleinen Gärten sowie lebendigen Bars und gemütlichen Restaurants, die Nächte vor wie nach dem Spiel zu einem Genuss machen.

In Porto wird am 12. Juni der erste Anpfiff zur EM ertönen. Die altehrwürdige Hafenstadt der Händler ist wirtschaftlicher Motor und Heimat des Portweins. Mächtig zieht sich die Stadtbrücke Dom Luis über den Douro-Fluss als Wahrzeichen der modernen Stadt, unter ihr dümpeln Boote auf dem Wasser, um für traditionelle Portwein-Kellereien zu werben. Die Kulturhauptstadt Europas 2001 ist eine prosperierende Stadt mit stolzen Bürgern und elegantem Stadtbild. Harmonisch leben das gestern und das morgen, Kulturgeschichte und Gegenwart miteinander, um gemeinsam die "heimliche Hauptstadt" auf eine erfolgreiche Zukunft auszurichten. Wie heißt es doch in einem Sprichwort: "Hier wird nicht gelebt, hier wird gearbeitet".

Von Porto aus führt die Reise immer stärker in das Herz des Landes. In Aveiro ist ein wichtiges regionales Zentrum direkt am Meer erreicht. Romantisch liegt die Stadt mitten in einer riesigen Lagunenlandschaft mit Sanddünen, Salzfeldern und Fischerhütten. Zahlreiche Kanäle durchziehen die Stadt, so dass Aveiro zu Recht den Beinamen "Venedig Portugals" trägt.

Stadt der Sehnsucht
Coimbra heißt die älteste Universitätsstadt des Landes. Und noch heute gilt: wer hier studiert, den erwartet eine glänzende Zukunft. Neben den altehrwürdigen Uni-Gemäuern zieren römische Ruinen, Denkmäler, Kathedralen, enge und steile Gassen diese lebendige und sympathische Stadt, die sich auf halber Strecke zwischen Porto und Lissabon befindet. Nur 30 Kilometer weiter südlich liegt die lebhafte Wirtschaftsmetropole Leiria - eingebettet in eine hügelige Landschaft. Weithin sichtbar sticht die Hauptsehenswürdigkeit der einstigen Mauren-Bastion aus dem Stadtbild hervor: Die eindrucksvolle Burganlage Castelo de Leiria erlaubt einen wundervollen Blick über die Region.

Stadt mit 7 Hügeln, schlafende Schönheit und Heimat der Melancholie. Daran wird auch die EM nichts geändert haben, wenn sie hier am 4. Juli zu Ende geht. Die Stadt am Tejo ist mehr als eine Hauptstadt. Lissabon ist das Herz des Landes. Und ob Sie durch das lebhafte Geschäftsviertel Baixa, die berühmte Altstadt Alfama, das Kulturviertel Belém streifen, ob zu Fuß oder mit der alten Straßenbahn Eléctrico", Traditionscafés oder das Fado-Museum besuchen, Sie werden hier einer reichen kosmopolitischen Weltmetropole begegnen. Trotz der vielen Erinnerungen an das Früher, hat die Stadt einen kräftigen Satz gen morgen gemacht, wie moderne Bahnstation, Einkaufszentren und das schicke Hafenviertel mit seinen Boutiquen und Edelrestaurants verdeutlichen. Boom-Town Lissabon also? Eher ein Mix aus Nostalgie und Sehnsucht sowie urbanem Aufschwung und Facelifting im Eiltempo.

Strandleben in Finis terrae
Nur wenige Kilometer im Osten Lissabons beginnt schlagartig eine andere Welt. Die stille, weite Landschaft des Alentejo ist die ärmste wie urtümlichste Region. Durch die trockenen Ebenen führt die Reise Richtung Algarve, zum südwestlichsten Spielort der EM. Diese äußerste Kante Europas ist das boomende Top-Ziel Portugals. Jedes Jahr fliegen Millionen sonnenhungriger Touristenmassen über den Flughafen Faro ein. Kein Wunder angesichts der langen, weißen Strände und zerklüfteten Felsformationen, römischen Ruinen und maurischen Spuren, tropischen Landschaften und perfektem Ferienbusiness, rauen Kanten und lieblichen Weiten hier in Finis terrae, am Ende der Welt.

Eine Begegnung mit Portugal ist eine intensive Zeitreise durch die Jahrhunderte, reich an Begegnungen mit wertvollen historischen Vermächtnissen und landestypischen Bildern, freundlichen Bewohnern und romantischen Orten, traditionellen Momenten und grenzenloser Moderne. So ist auch zu hoffen, dass dieses wunderschöne, verwöhnte Stück Natur seine Anziehungskraft hält und verstärkt - und zwar nicht nur während der hoffentlich rauschenden Ballnächten bei der EURO 2004.

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     © Dominik Ruisinger