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![]() ![]() QUARTIERE COPPEDÈ - JUGENDSTIL IN ROM Inmitten von Rom liegt das Quartiere Coppedè: Die märchenartige Szenerie eines in sich verspielten Stadtteils zählt zu den unbekanntesten Kleinode der Stadt. Ein prächtiges Jugendstil-Viertel, reich an verspielter Ornamenten, mit Feenhäusern, Spinnenpalästen, Froschbrunnen, Vogelskulpturen und Steinfratzen. Ein Besuch in der eleganten und wenig bekannten Wohngegend. Es ist Sonntag morgen, 8 Uhr in Rom. Kaum ein Mensch ist auf den Straßen rund um die Piazza Buenos Aires nordöstlich des historischen Zentrums zu sehen. Zwei Vespas knattern vorbei, einige Katzen rekeln sich in der Sonne. Eine einzige geöffnete Bar, eine Handvoll verschlafener Gäste, mehr nicht. Nur wenige Meter von der trostlos wirkenden Verkehrsinsel entfernt verbirgt sich eines der unbekanntesten Kleinode der Stadt: Das Quartiere Coppedè, eine märchenartige Szenerie eines in sich verspielten Stadtviertels. Hier betritt man eine andere Welt, abgeschieden vom unruhigen römischen Leben, das für einen Moment draußen bleiben muss. Auch wenn niemand die ewige Stadt hinter sich lassen sollte, ohne sich von diesem Ort inspirieren zu lassen, verlieren sich nur wenige Besucher dorthin. Alles begann im Jahre 1916, als die Baugenossenschaft 'Società Anonima Cooperativa Edifizione Moderna' das 31.000 Quadratmeter große Gelände erwarb. Ihr Hausarchitekt und Projektleiter für die stilistische Planung war Gino Coppedè. Wie in seinen früheren Arbeiten am Castello Mackenzie in Genua und an Palästen und Pavillons in der Toskana, Lombardei sowie in Spanien offenbarte der gebürtige Florentiner einen sehr persönlichen, unverwechselbaren 'Stilo Coppedè'. Unter seinen Händen wuchs Architektur wie Natur heran, als eine natürlich gewachsene, organische Einheit. Liberty - der italienische Jugendstil Coppedè ließ sich vom Potenzial an expressiver Virtuosität im Liberty-Stil verführen. Die spezielle Formensprache mit Merkmalen wie dem Dekor des Bewegten, wellig fließenden Formen und märchenhaft-verspielter Ornamentierung zeugte von seiner Verliebtheit in Details. Coppedè war jedoch weit mehr als ein Post-Liberty-Architekt. Er begriff die ästhetische Philosophie seiner Baukunst als Symbiose diverser Epochen und Stile, von mittelalterlichen und gotisch-islamischen Elementen bis hin zu Motiven aus dem 19. Jahrhundert. Die Welt des Gino Coppedè Ein prunkvoller gusseiserner Kerzenleuchter markiert die Schwelle zum Viertel. Auf einer Säule hat sich der Architekt mit seinem Namen verewigt; eine andere ziert eine kleine Madonna mit Kind, von einem Lämpchen nur schwach erleuchtet. Vom Eingangstor öffnet sich der Blick auf das Zentrum der Coppedè-Welt, auf die Piazza Mincio, den sicherlich ungewöhnlichsten Platz der ewigen Stadt. Um den mächtigen Froschbrunnen 'Fontana delle Rane' gruppiert sich die Mehrzahl der bemerkenswerten Bauten. Dabei prägen nur Paläste, schlossartige Gebäude, kleine Villen und Gärten das reine Wohnviertel. Von Geschäften, Restaurants, geschweige denn Bars, keine Spur. Auch viele Botschaften und Diplomaten haben sich in den prächtigen Coppedè-Gebäuden eingenistet. Ursprünglich hatte die Planung ein Wohngebiet mit kleineren Villen für den Mittelstand vorgesehen. Der zügellose Erfindungsgeist Coppedès und seine überschäumende Liebe zu detailfreudiger Ornamentik ließen das Areal schon während der Bauphase zu einem Luxusviertel werden. Wie ein bizarrer Architekturpark voll ausufernder Fantasien und überschwänglicher Kreativität wirkt das pittoreske Ergebnis. Marzipanhäuser, die einem Märchenbuch entnommen scheinen, mit Portalen, aus denen feenartige Wesen schlüpfen. Mit seinem verträumten spielerischen Individualismus setzte sich Coppedè nicht nur selbst ein Denkmal, sondern sorgte für die letzten positiven architektonischen Akzente in Rom, bevor Mussolinis schablonenhafte Betonkomplexe anrückten. Von Kritikern und Liebhabern Das riesige Mosaik einer Spinne in ihrem Netz zieht die Aufmerksamkeit auf das Portal eines der schönsten Paläste an der Piazza, den 'Palazzo del Ragno'. Die Spinne als Namensgeber ist das auffälligste Element einer Serie von grotesken Dekorationen, die die Gebäudefassade mit einem dichten Gewimmel aus Löwen, diabolischen Ungeheuern und Drachen schmücken. Wände mit eingesetzten Backsteinstockwerken und von Rundsäulen begrenzte Fenster werden von einer Loggia mit einem Goldmosaik als Spitze gekrönt. Im Innern des Hauses erhält man Eindruck von Coppedès Detailverliebtheit, geht doch die Ausarbeitung der holzgeschnitzten Decken und Mosaikböden auf ihn zurück - wie in allen Gebäuden des Viertels. Der Zauber der Feen-Häuser Im Innenraum des herrschaftlichen Hauses ist zwischen Marmorfußböden und bemalten Kassettendecken ein Hauch der vergangenen Epoche zu verspüren. Die Hochrufe aus der Bauzeit rühmten die sanitären Einrichtungen als einen "Tempel der Hygiene und Raffinesse" im pompeianischen Mosaik, so der Giornale d'Italia. Anfang der 80er Jahre hatte der erbärmliche Zustand der Außenwände eine Restauration notwendig gemacht. Mit minutiöser Sorgfalt wurde die originale Farbenpracht, dekorative Motive und die Wesenszüge der Mosaike wieder so hergestellt, dass die 'Villini' den Charakter natürlichen Alterns behielten. Das abendliche Farbenspiel Über die Jahre hinweg ist es dem Viertel gelungen, seinen spezifischen Reiz an üppig geschwungenen, fantastisch-bizarren Formen zu bewahren. An jeder Ecke begegnet man den für Coppedè so typischen Elementen, verzieren hervorspringende Antlitze von Fabelwesen die Fassaden seines Reiches. Faszinierend ist dabei zu beobachten, wie das Viertel je nach Jahreszeit, Wetterlage und Stimmung einem Chamäleon gleich sein Gesicht wechselt. Wieder an der Piazza Mincio angelangt, ist es Abend geworden und die Sonne hinter den Palästen verschwunden. Überall an den Dachsimsen rund um den erleuchteten Froschbrunnen erglimmen kleine Lämpchen. Es ist der bezauberndste Moment, um den Anblick dieses anderen Viertels von Rom zu genießen, das inmitten der altehrwürdigen Metropole seine Vergangenheit in sich bewahrt hat. 8.660 Zeichen |
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