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![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() DER SCHWARZE GENUSS Der Caffè hat seinen festen Platz im Tagesablauf Roms. Niemand kann und will auf den schwarzen Genuss und die parallelen Gespräche verzichten - ob morgens oder mittags. Sie sind die wichtigsten Treffpunkte der Römer, hier schlägt das wahre Herz der Stadt. Auch kein Besucher kommt an den zahlreichen Cafés vorbei, die fast alle nur Bar heißen. Diese Caffè-Tour stellt einige der schönsten, traditionellen wie verwurzelten Orte in Rom vor. "Un caffè", "due cappuccini e un cornetto", "un caffè un poco macchiato". Es ist 9 Uhr in einer kleinen Bar in San Lorenzo, einem Arbeiterviertel im Osten Roms. Eugenio ist hinter der Bar in seinem Element. Hier ein Cappuccino, dort einige nette Worte, ein Lächeln, ein Gruß. Flink schiebt er die Tassen unter die Kaffeemaschine, setzt sie auf eine Untertasse, zwei Tütchen Zucker hinzu, ein Schuss aufgeschäumte Milch - fertig ist der Caffè Macchiato. Jeden Morgen kommen die Anwohner vor der Arbeit her: Der Bankangestellte, der um die Ecke wohnt; der Eisenwarenhändler; die Fischhändler und Obstverkäufer vom Markt. Auch der ergraute Herr, der stets die Theke blank poliert. "Es ist hier immer die Aufgabe der guten Kunden, für etwas Sauberkeit zu sorgen", blinzelt er mir zu. Dabei zieht er tief an seiner glimmenden Zigarette. Am Ende des Tresens wartet schon die Belohnung auf ihn: Ein Caffè Corretto, Kaffee mit Schuss. An den zwei einzigen Tischchen wünschen drei ältere Damen Cappuccino im Glas. Der Barista zeigt auf ein Bierglas und lacht über ihr Kopfschütteln. Zwei, drei Handgriffe später serviert er die Getränke in einem kleinen Glas. Vier Caffè, davon zwei mit etwas mehr Wasser verlängert und zwei besonders stark, bestellt ein hübsches Mädchen. Voller Vorfreude beobachtet sie das leichte Röcheln der Maschine, bevor die schwarze Flüssigkeit tröpfchenweise in die Tassen sickert. Leben in der Bar "Andiamo al bar", sagen die Römer, wenn sie sich zufällig auf der Straße treffen. Und dann spielt sich immer dasselbe Ritual ab: Man zahlt an der Kasse, legt den Bon mit ein paar Cents Trinkgeld auf die Theke, bestellt und trinkt in einem Schluck aus - natürlich im Stehen an der Theke: Wer sich setzt, zahlt mehr. Angesichts des hohen Kaffeekonsums der Römer überrascht es nicht, dass der Anteil der arabischen Flüssigkeit durchschnittlich über ein Viertel der Bar-Umsätze ausmacht. Dabei ist schon die Zubereitung ein Ritual, das festen Regeln unterliegt. So darf das Sieb fest, aber nicht zu fest gestopft sein, um ihn "bereits auf dem Weg vom Kaffeeaustritt bis zum Aufplätschern in der Tasse durch reduzierte Auslaufgeschwindigkeit auf ein vernünftiges Schmeckmaß zu reduzieren". So schildert der Buchautor Walter Vogel die Geheimnisse der Kaffeeherstellung von der Maschine zum Mund. Nur so erhält man laut arabischem Sprichwort einen Tropfen, "heiß wie die Hölle, schwarz wie Tinte und süß wie die Liebe". Dabei hat der Kaffeegenuss seinen festen Rhythmus: Zum Frühstück morgens vor der Arbeit einen schnellen Caffè in der Bar des Wohnviertels. Zwischen 10 und 11 Uhr in die nächste Bar nahe der Arbeit für einen Cappuccino als zweites Frühstück, zusammen mit einem Cornetto, einem Hörnchen, pur oder gefüllt mit Crème, Marmelade oder Schokolade. Nach dem Mittagessen dann der nächste Caffè. Tradition am Morgen Noch heute lässt sich in den Morgenstunden ein Eindruck der vergangenen Künstlerepoche einfangen. Fast geräuschlos schleichen die livrierten Kellner durch das elegante Interieur. Die roten Samtpolster sind verlassen, die Stimmen verstummt, die Stille fast vollkommen, unterbrochen vom Klappern der Tassen und dem leisen Fauchen der Maschinen. Der kalabrische Maler Stelario hat sich in einer Ecke niedergelassen, Akryllfarben ausgebreitet, Leinwand aufgestellt und begonnen zu malen. Er gehört zum festen Inventar des Greco, kommt er seit bald 30 Jahren jeden Morgen her. "Ab Mittag wird es mir zu voll. Dann fehlt mir die Ruhe", erklärte der graumelierte Endsechziger, während er einen Winkel des Greco malt. Seine Augen gleiten flink durch den Raum, er scherzt mit ein paar Stammgästen. Teils kaufen sie ihm seine Portraits ab, "weil sie mich kennen und schätzen". Für ihn ist das Greco eine Art Heimat, wie einst in der Blütezeit, als Künstler mehr hier denn zu Hause wohnten. Den besten Kaffee zum zweiten Frühstück Wenige Meter entfernt hat um diese Tageszeit das Business-Café 'La Caffettiera' Hochkonjunktur. Es ist der Treff vieler Börsianer. Auch zwei Abgeordnete auf dem Weg zum Parlament finden sich ein - nach einer kurzen Diskussion, wer wen zum Caffè einladen darf. Noch so ein täglicher Ritus. Einige Kommentare über einen Politikskandal, Lachen, zwei Zigaretten, schon sind sie wieder weg. Business zur Mittagszeit und Ruhe am Abend Wenn draußen die fahle Nacht umherschleicht, gibt es in Rom traditionelle Orte, die ihre Beliebtheit bis heute bewahrt haben. In einer kleinen Gasse hinter der Touristenhochburg Piazza Navona versteckt sich das mit Efeu bewachsene Jugendstilcafé 'Antico Caffè de la Pace'. Noch heute vermittelt das wunderschöne Interieur das Gefühl einer vergangenen Zeit, die wieder wach wird. In den Fenstern erinnern silbern glänzende, alte Kaffeemaschinen an die Tradition der Zubereitung. Art-Déco-Lämpchen werfen ein zartes Licht auf Putten, verblichene Spiegel und vorwiegend jüngere Besucher. Es ist eines der wenigen Orte in Rom, um sich in den gemütlichen Sofas für den Moment vom römischen Leben zurückzuziehen, und wo fernab der üblichen Bar-Hektik das vorsichtige Nippen am Kaffee zu dem wird, was es sein soll: ein schwarzer Genuss. 8.050 Zeichen Auf Anfrage:
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