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![]() ![]() ![]() ![]() ![]() AUFBRUCH IN NEAPEL Nach Jahrzehnten der Negativschlagzeilen glänzt Neapel heute in einem veränderten Licht: Neue Kulturinstitutionen, restaurierte Paläste, antike Schätze, kulinarische Genüsse und ein pulsierendes Leben machen die italienische Millionenmetropole zu einem der schönsten Ziele des Südens – und nicht nur als Sprungbrett zu den Inseln Capri und Ischia. "Wenn ich an meine Beziehung zu Neapel denke, scheint es mir, dass ich diese nur in Bildern ausdrücken kann." Bilder, wie es so der bedeutende süditalienische Essayist Rafaele La Capria schreibt, werden jedem Neapel-Besucher durch den Kopf schießen. Spätestens wenn er erstmals einen Blick vom Hausberg, dem Monte Vomero, auf die 2-Millionenmetropole wirft: Einem Postkartenpanorama gleich liegt ihm die lebhafte Stadt zu Füßen. Im Vordergrund die antike Altstadt mit der langgezogenen Bucht und dem Hafen am Golf, von wo die Fähren gen Capri, Ischia und Prócida ablegen. Dahinter der mächtige Vesuv, der bei klarer Sicht greifbar nah erscheint. Als wir in das quirlige Altstadtherz Spaccanapoli hinabsteigen, sind die dicht besiedelten Gassen fast schwarz vor Menschen. Kleine Läden, die für Büffelkäse und Taralli, salzige Mürbeteigkringel, werben, säumen die Hauptadern Via dei Tribunali und Via San Biagio. Knatternde Vespas drängen sich durch die verstopften Straßen. Am Rand bieten ältere Frauen Schmuggelzigaretten und Taschentücher feil. Auf Holzkarren und Autodächern türmen sich Zitrusfrüchte und Blumen, über den Köpfen weht frische Wäsche sacht im Winde. Die Luft ist durchdrungen von Düften und Geräuschen des Alltags, die durch geöffnete Türen wehen. Der Protagonist des Aufschwungs In der für die Krippenbauer berühmtem Via San Gregorio Armeno treffe ich auf den Protagonisten dieses Wandels - wenn auch nur als Tonfigur: Antonio Bassolino. Dem seit 1993 amtierenden Bürgermeister haben die Menschen viel zu verdanken. Engagiert ließ der linke Politiker Paläste sanieren, Fassaden restaurieren, autofreie Zonen einrichten, Kultureinrichtungen eröffnen und Kunstschätze aus den vergangenen Jahrhunderten sichtbar machen. Seitdem wird er geliebt und verehrt wie sonst nur der Stadtheilige San Gennaro, dessen verflüssigtes Blut die Bewohner zweimal im Jahr in den Dom zieht. "Eine Sinfonie der Stimmen" Das heutige Neapel ist aufregend, lebendig und voller Stimmen und Laute. Wie zum Beispiel mitten in der Altstadt an der schönen Piazza San Domenico, die eine Geräuschkulisse umgibt, die der nahe Neapel lebende Komponist Hans Werner Henze einst als eine Sinfonie schilderte: "mit fantasievollen Modulationen, heißblütig, streichelnd, sehnsüchtige Schauer des Lebens, der Zeiten". Daran wird sich an diesem Platz bis tief in den frühen Morgen nichts ändern. Die Jugend hat den stimmungsvollen Ort zum Treff auserkoren, um bei Dosenbier und Joints die Nacht durchzuplaudern, während sich Künstler und Musiker eher in den Bars rund um die Piazza Bellini einfinden. Am südlichen Rand der Piazza San Domenico liegt das beliebte Café Scaturchio – ein wahrer Tempel neapolitanischer Konditorkunst. Eine seiner Spezialitäten: Babà, ein süßes Gebäck, wahlweise mit Creme oder in Limoncello getunkt serviert. Wenige Meter weiter in der Second-Hand Bücherstraße Port D'Alba laden Antica Pizzeria und Pizzeria Bellini zur eigentlichen kulinarischen Erfindung der Stadt ein: zu einer Pizza. Denn ob Margherita oder Marinara, von Neapel aus soll der berühmte Teigfladen im Jahre 1889 seinen weltweiten Triumphzug angetreten sein. Die Spuren der Fremdherrscher Hinter dem berühmten Opernhaus Teatro San Carlo und der Glas überdachten Shopping-Mall Galleria Umberto verbirgt sich das andere Gesicht der Stadt: das reiche Neapel. Alle wichtigen Modeschöpfer haben entlang der schicken Einkaufsmeile Via Chiaia ihre elegante Heimat gefunden: Gucci, Giorgio Armani, Calvin Klein und noch viele mehr. Und es lohnt sich hier einzukaufen: Die Preise liegen (noch) deutlich unter denen anderer italienischer Großstädte. 'Also sprach Bellavista' An der Hafenmole angekommen ist der Abend hereingebrochen. Im viel besungenen Fischerviertel Santa Lucia sind an den zahlreichen Restaurants und Bars bereits überall die kleinen Lämpchen erleuchtet. Trotz einiger Touristen gehört es noch immer zu den stimmungsvollsten Orten der Nacht. "Extrovertiert aber schön" Während Rosario von seiner geliebten Stadt erzählt, fällt mir Pier Paolo Pasolini ein, der über ein typisches Erlebnis mit Neapel einst schrieb: "Einmal, während einer äußerst gefühlsgeladenen Episode mit einem Neapolitaner, habe ich plötzlich gemerkt, dass er mir gleichzeitig die Brieftasche mauste: Ich habe ihn einfach darauf aufmerksam gemacht, und wir haben uns noch mehr gemocht." 6.965 Zeichen Auf Anfrage:
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