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DIE WELT ZU GAST IM ADLON

Es ist der 23. Oktober 1907, 11 Uhr. Wilhelm II durchschreitet mit seinem gesamten Hofstaat das Portal des neuen Hotels Adlon. „Tadellos“ ruft der Kaiser begeistert aus. An diesem Tag beginnt die Geschichte des populärsten Hotels in Berlin. 90 Jahre später an gleicher Stelle: Wieder kommt ein Staatsoberhaupt zur Eröffnung. Dieses Mal weiht Bundespräsident Roman Herzog das neue Adlon ein.

Diese Daten zeigen, dass 1907 mehr als ein Hotel geboren ist. Dazu trägt die exponierte Lage im Herzen Berlins, direkt am Brandenburger Tor bei: 304 Zimmer, 78 Suiten, drei Präsidentensuiten, 5-Sterne-SPA, Gourmet-Restaurant, Privat-Club. Doch was ist das Besondere? „Das Adlon ist ein Mythos, eine Marke“, so Direktor Stephan Interthal. „Wenn man bedenkt, dass „Adlon“ zu den fünf bekanntesten Marken in Deutschland zählt, so sagt dies einiges über den Rang des Hotels aus.“

Neue Maßstäbe in der Hotelkultur Namensgeber ist der Mainzer Lorenz Adlon. Der gelernte Schreiner macht sich in Berlin als Betreiber von Hotels, Restaurants und Weinhandlungen einen Namen. Sein Kapital investiert er in einen Traum: Ein Luxushotel in prominenter Lage, das den besten Häusern weltweit ebenbürtig ist. Im Kaiser findet er seinen Förderer, der den Grossteil der Baukosten von 17 Millionen Goldmark zur Verfügung stellt. Das Adlon bietet Wilhelm II jenen Luxus, den er im ungeliebten Stadtschloss vermisst.

Hinter der klassizistischen Fassade setzt es neue Maßstäbe in der Hotelkultur: Die 140 Zimmer sind mit Badewanne, fließend warmem Wasser, Strom, Telefon und einer individuell regelbaren Heizung ausgestattet. Restaurant, Bibliothek, Rauchersalon, Ballsaal, Wintergarten sind rund um die Uhr geöffnet. Als Sinnbild für Luxus entwickelt es sich rasch zu einer Institution für die feine Gesellschaft. Adlige Familien verkaufen ihre Winterpalais, um in den Suiten zu residieren. Selbst der Kaiser zieht die gut beheizten Zimmer zeitweise seinem zugigen Schloss vor und nutzt es auch sonst gerne als „inoffizielles Gästehaus“.

Gerade die 20er Jahre sorgen für goldene Zeiten. "In der Halle hörte man die Sprachen aller Kulturnationen durcheinander schwirren", schreibt die Berliner Morgenpost 1929. Das Adlon wird zur Bühne für Könige, Industrielle, Politiker und Filmstars wie Rockefeller, Ford, Roosevelt, Greta Garbo oder die Nachwuchshoffnung Marlene Dietrich. Thomas Mann feiert dort den Nobelpreis, der noch unbekannte Billy Wilder interviewt Schauspieler. Für den Maharadscha von Patiala ist klar: „Wer das Adlon nicht kennt, kennt Deutschland nicht.“

(...)

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     © Dominik Ruisinger