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DIE SPAM STORY
Welche schöne Idee heute unsere Briefkästen vollmüllt.

„Spam ist der unverlangte, massenhafte Versand von Nachrichten. Diesen Missbrauch bezeichnet man als Spamming und die Täter als Spammer. Die Bezeichnung „Spam“ bezog sich ursprünglich auf das Überfluten von Newsgroups im Usenet mit Werbebotschaften und wurde später auf E-Mails übertragen.“ Diese Definition auf wikipedia müsste fast jedem bekannt sein, der sich mit E-Mail-Marketing oder verwandten Disziplinen herumschlägt. Doch woher kommt eigentlich der Begriff?

Die Spam-Geschichte beginnt im US-Bundesstaat Minnesota. Wir schreiben das Jahr 1937. In Zeiten wirtschaftlicher Not und sozialer Probleme bringt der amerikanische Konzern Hormel Food Corporation ein neues Dosenfleisch auf den Markt. Sein Markenname: SPAM – kurz für Spiced ham. Als Folge einer großen Werbekampagne wird das SPAM® Luncheon Meat – so der exakte Produktname - ein großer Erfolg. Insbesondere während des Zweiten Weltkriegs boomt das Geschäft – bei der Bevölkerung wie bei den Truppen der Verbündeten. Der Grund: Spam ist billig, nahrhaft und in unterschiedlichen Variationen erhältlich.

Bis heute wäre Spam als Spiced ham in die Geschichte gegangen, hätte nicht im Jahre 1970 die englische Komikertruppe des Monty Python’s Flying Circus' diesen Namen für sich entdeckt. Ein unvergesslicher Sketch folgt. Die Protagonisten: Ein Restaurant, in dem nur Gerichte angeboten werden, in denen jede Menge Spam vorkommt. Eine Kellnerin, die versucht die Bestellung eines Ehepaars aufzunehmen, wobei die Ehefrau keinerlei Spam mag. Und eine Horde Wikinger am Nebentisch, die bei jedem Wort „Spam“ gleich in ein „Spam Spam Spam Spam Spam Spam Spam“-Loblied einstimmen. Die Folge: jegliche Konversation im Raum ist unmöglich.

Inspiriert von diesem Sketch übertrugen Experten die Unterbrechung bzw. Verhinderung der Kommunikation durch Massen an Spam auf Massensendungen von Werbemails, die Mailserver überlasteten und Empfänger belästigten. So steht dann auch heute Spam als Abkürzung für Send (oder Spend) Phenomenal Amounts of Mail.

In der Belästigung von Usern sah auch das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) die Basis, elektronische Werbung ohne Einwilligung zu verbieten. Auch der Bundesgerichtshof (BGH-Urteil vom 11. März 2004, AZ: I ZR 81/01) folgte dieser Argumentation. Keinem Empfänger sei es zuzumuten, Werbung, in deren Empfang er nicht eingewilligt hat, tolerieren zu müssen, wenn dadurch auf Seiten des Empfängers Kosten und/oder eine sonstige Störung entstehen. Das heißt: So lange ein User nicht eingewilligt an, Werbung per E-Mail zu akzeptieren, ist jegliche E-Mail-Werbung verboten.

In Deutschland ist damit Spam verboten. Ähnliche Regelungen gelten auch in den anderen Ländern der EU sowie in den Vereinigten Staaten, wo ein Spammer kürzlich zu 9 Jahren Haft verurteilt wurde. Doch befreit von unerlaubter Werbung haben diese Gesetze und Strafen die E-Mail-Postfächer nicht. Im Gegenteil. Die Zahl der Spams nimmt weiter zu. Weltweit liegt der Anteil der Spam-Mails an den E-Mails bereits bei 64%, in Deutschland bei 47% (Symantec 07/04). Der Grund: Noch immer gibt es zahlreiche Länder, in denen kein Verbot vorliegt bzw. die Strafen äußerst gering sind. Wirkliche Eldorados für Spammer.

Und um es klar und deutlich zu sagen: Viele Spammer gehen gerne ein Risiko ein. Denn die finanziellen Gewinne bei Spam sind enorm - für Spammer und Auftraggeber. Machen wir eine einfache Beispielrechnung auf: Ein normaler Spammer versendet seine Spam-Mail an rund 5 Millionen Empfänger – ein Durchschnittswert. Laut einer Umfrage von W3B 11/03 werden in Deutschland 6% der Spam-Mails gelesen. Dies bedeutet für diesen Fall, dass 300.000 Empfänger die Spam-Mail öffnen. Gehen wir von einer vertriebstechnisch typischen Klick-Through-Rate von 3% aus, so klicken immerhin 9.000 Empfänger in der Spam-Mail auf den integrierten Link, um weitere Informationen zu erhalten. Sei es aus Interesse oder aus konkretem Kaufwunsch: eines ist sicher, die Vertriebschance für das beworbene Produkt ist immens hoch - beachtet man insbesondere die damit verbundenen extrem geringen Kosten.

Daher: Solange kein international gültiges Gesetz mit hohen Strafen Spam völlig verbietet, wird dieses Hauptärgernis der Online-Nutzer bestehen bleiben. Dabei sollte Spam ursprünglich den Menschen doch etwas Gutes tun .... damals.

Weblinks:

     © Dominik Ruisinger