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JOURNALISTEN AUF SCHNÄPPCHENJAGD Ein Kommentar zum leidigen Thema der Presserabatte Der richtige Umgang mit Presserabatten ist ein leidiges Thema. Für Journalisten wie für Nicht-Journalisten. Und das seit jeher. Und immer stärker. Denn die Zahl der Pressrabatte hat in den letzten Jahren rapide zugenommen. Dazu genügt ein schneller Blick auf eines der einschlägigen Schnäppchen-Portale für Journalisten wie www.journalismus.com oder www.pressekonditionen.de. Kaum ein Bereich, der nicht Journalisten oder - um es genauer zu sagen - Menschen mit Presseausweis - und dazu am besten von den arrivierten Institutionen Deutscher Journalisten Verband, IG Medien und Verband der Zeitschriftenverleger - Produkte und Dienstleistungen zu Sonderkonditionen anbietet. Flugpreise, BahnCard, Mobiltelefone, Internet-Zugang, Software, Museumsbesuch bis hin zur Tankkreditkarte und zum Ferienhaus in Apulien. Kein Wunder, dass dies bei Nicht-Journalisten oft auf großes Kopfschütteln stößt. Ganz besonders übrigens, wenn Journalisten in den oben erwähnten Portalen sich zudem noch über die Geringfügigkeit oder die spezifischen Einschränkungen bei der Gewährung der Rabatte beklagen. Zu recht. Längst haben sich so Presserabatte zum Hauptgrund für den Wunsch vieler nach einem Presseausweis entwickelt. Doch zu welchem Zweck werden sie eigentlich gewährt? Werden wirkliche Ziele damit verfolgt? Natürlich. Fakt ist, dass Presserabatte für viele Unternehmen ein gutes und preiswertes Instrument sind, um für eine positive Grundeinstellung bezüglich des eigenen Produktes zu sorgen. Stets schwingt natürlich die Hoffnung mit, ob nicht vielleicht doch auch mal ein kleiner Bericht herausspringt. Natürlich ein positiver. Presserabatte also als PR-Instrument? Mit Sicherheit. Die Beliebtheit beispielsweise von Air Berlin unter Journalisten lässt sich mit den 50% Flugrabatten - inklusive Begleitperson - in Verbindung sehen. Doch ist dieses Instrument auch wirkungsvoll? Selten. Welchen Mehrwert bietet sich, wenn beispielsweise ein Pharma-Fachjournalist 50% Ermäßigung beim Flug, 25% Reduktion beim Ferienhaus und 20% beim Mietwagen erhält? Nicht zu vergessen die 25% Rabatt auf die Brigitte für die Ehefrau und die 25% auf die Young Miss für die Tochter? Das Ferienbudget des Journalisten wird sicherlich subventioniert. Angenehm für den Journalisten. Aber für das Unternehmen? Anderes Beispiel: Warum können PR-Leute, die über einen Presseausweis verfügen, 10-25% beim Kauf eines Neuwagens rausschlagen, wenn sie doch mit ihrem neuen Wagen nur zwischen Haus und Agentur, Haus und Hof, Haus und Urlaubsort pendeln? Wo liegt hier der Zweck? Nirgendwo. Zielgruppe verfehlt, um es einfach zu sagen. Da bringt es dann auch von Seiten des Unternehmens oder seiner PR-Agentur wenig, wenn sie den Journalisten im Anschluss - und zumeist das Leben lang - mit E-Mails verfolgen, ob dieser nicht doch über das eigene Produkt irgendwie irgendwann irgendwo berichten könnte. Nein, keine Chance. Das Kind war schon zuvor in den Brunnen gefallen. Sind also Presserabatte generell zu verdammen? Nein, keineswegs. Gerade angesichts der angespannten wirtschaftlichen Lage von Journalisten, der Reduktion von Recherchebudgets, der wegfallenden Stellen und dem Druck der Verleger haben sie ihre Bedeutung. Mit Blick auf die wachsende Schar an Freien, die sich mit Ach und Krach durchschlagen, übrigens stärker als je zuvor. Nur gilt es für Journalisten, sich stets zu hinterfragen, ob nicht doch ein gewährter Presserabatt zu einem positiven Bericht über eben dieses Produkt führt. Das wäre natürlich ein Erfolg für die PR - ein Misserfolg aber im Sinne eines sauberen Journalismus'. In dieser Hinsicht ist es durchaus zu begrüßen, dass viele Unternehmen - wenn auch teils über etwas zweifelhafte Methoden - die Vergabe von Rabatten einschränkt haben und sie nur noch "wirklichen" Journalisten gewähren. Denn Presserabatte sind nur etwas für Presseleute. Das sagt schon der Namen. Und für niemanden anderes. Egal, welche "Connections" dieser auch immer hat. Fazit: Auf beiden Seiten - bei der Vergabe der Ausweise wie der Gewährung von Rabatten - sind in Zukunft strenge Auflagen notwendig, um den Missbrauch zumindest kräftig einzuschränken. Nur so hat das Instrument des Presserabattes seine wirkliche Berechtigung. Und diese hat es. Ohne Zweifel. |
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