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![]() REICH MIR DIE HAND ! Weltkulturfestspiele als Kommunikationsinstrument für die Probleme dieser Welt. Eine Betrachtung der kommunikativen Aspekte beim Weltforum der Kulturen 2004 in Barcelona. Zwei Hände begegnen sich - ohne sich zu berühren. Immer wieder sind sie sich ganz nahe. In allen Farben, vor wechselnden Hintergründen, vor Tänzern, DJs, Schiffen oder Kongresszentren. Überall lassen sie sich sehen, diese Hände: Auf Plakaten, in Zeitschriften, auf Postkarten, auf Werbeartikeln. Und über ganz Barcelona verstreut. Denn hier reicht sich – so das Ziel der Organisatoren - die Welt seit dem 9. Mai die Hand, beim Weltforum der Kulturen. 141 Tage Kommunikation 141 Tage, wahrend der sich die Stadt in ein Zentrum der Kommunikation, der Reflexion über die wichtigsten kulturellen wie sozialen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts verwandelt soll. 141 Tage Ort der Begegnung, des Dialogs für Menschen aus aller Welt, 141 Tage der Suche nach Antworten auf die brennenden Fragen heutiger Globalisierung. 141 Tage aktiver Kommunikation für eine bessere Welt - mit Kultur als Transportmedium. Dialog der Sinne Und das Programm, das die Veranstalter dazu aufgelegt haben, ist immens: Hunderte von Veranstaltungen, zahlreiche prominent besetzte Hearings mit internationalen Gästen wie Mikael Gorbatschow, Helmut Kohl, Jacques Delors, Angelina Jolie oder Salman Rushdie, Tagungen und Konferenzen, Konzertzyklen und Filmreihen, Tanz- und Theaterfestivals mit über 50 renommierten Kompanien und berühmten Regisseuren aus aller Welt, über 450 Konzerte mit Stars wie Lenny Kravitz, Sting, Bob Dylan, Norah Jones, Dido, B.B.King, Zirkus, Basare, Märkte, Ausstellungen - ob als Großveranstaltung oder Straßenshow, ob in Konzerthallen, Kirchen oder auf Plätzen. Selbst traditionelle Stadtfestivals wie Grec oder Sónar wurden gleich in das Forum integriert. Das Forum wird die Stadt als Bühne für einen künstlerischen Dialog inszenieren, auf der Barcelonesen wie Touristen ein einmaliges Ereignis genießen können. Das erhoffen sich zumindest die Veranstalter. Ein neues Gesicht für ein Stadtviertel Bereits die Weltausstellungen von 1988 und 1929 und vor allem die Olympischen Spiele im Jahre 1992 haben bis heute ihre Spuren hinterlassen und ganze Stadtviertel - wie 1992 das Hafenumfeld - kräftig umgekrempelt. Heute, 12 Jahre später, gilt die Aufmerksamkeit dem Problemviertel Diagonal Mar. Ganz im Südosten der katalanischen Hauptstadt gelegen, gehört es sicherlich nicht zu ihren Schmuckstücken – trotz direkter Lage am Meer. Doch das soll sich - über das Forum und dessen Gelder - jetzt ändern. Schon heute wird die neue Stadt-Silhouette sichtbar. Architekten und Designer aus aller Welt haben begonnen, mit futuristischen Gebäuden das riesige Gelände im Nordosten in ein neues Wohn-, Geschäfts- und Dienstleistungsviertel zu verwandeln. Auf dem früheren Industrieareal entstehen Bürohäuser, Edelhotels, eine riesige Einkaufsmeile, Kongresszentrum, Meeresauditorium, eine Solaranlage als Sinnbild für "nachhaltige Entwicklung" sowie ein Hafen mit Strandanlagen. Und natürlich die große Plaza im Zentrum. Sie ist das eigentliche Herz des Forums, zentraler Schauplatz für kulturelle und gastronomische Veranstaltungen. Eine internationale Begegnungsstätte, wo Tag und Nacht Konzerte und Schauspiele, Märkte und Stände zu finden sein werden und vier interaktive Ausstellungen die Kernthemen des Festivals übersetzen. Eine Experiment mit unklarem Ausgang Und noch eines muss zumindest heute nachdenklich stimmen. Noch im April 2004, also nur wenige Wochen vor Beginn des Forums, beklagten sich viele Barcelonesen, nicht genügt über dieses Projekt informiert zu sein, außer Plakaten nichts von den Inhalten zu wissen. Hat hier also ein Projekt seine Bewohner vergessen? Ein Festival rein für Besucher? Eine schlimme Vorstellung für Stadt wie für Veranstalter. Das Forum ist sicherlich ein ehrgeiziges Projekt, eine Art Experiment. Natürlich muss man sich die Frage stellen, inwieweit sich derartige Themen durch Kultur kommunizieren lassen - die Herausforderungen einer wachsenden Stadt wie die großen Fragen des 21. Jahrhunderts - abgesehen vielleicht von persönlichen, zumeist einmaligen Solidaritätsbekundungen. Wenn es nach den Stadtvätern von Barcelona geht, so soll dies funktionieren - auch als Zeichen für weitere Weltforen, die folgen werden. Auf die Ergebnisse in knapp 141 Tagen und in den Jahren danach darf man schon jetzt gespannt sein. Dieser Beitrag erschien im: Online-Magazin terradigitalis.net | Kommunikationskultur, April 2004
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