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![]() ![]() ![]() AUF DER SUCHE NACH DEM WLAN WLAN erlebt derzeit einen wachsenden Hype. Die Kommunikation per Funk gilt als neue Wunderwaffe für den Weg ins Internet und auch als günstige und bereits funktionierende Alternative zum immer weiter in die Zukunft verschobenen Mobilfunkstandard UMTS. Doch sprechen wir von einem kommenden Massenmarkt? Oder handelt es sich eher um eine Seifenblase, die wie so viele IT-Ideen der Vergangenheit platzt? Und wie sieht die Umsetzung in der Praxis aus? Wir haben die Probe aufs Exempel gemacht und bei einer Tour durch Berlin den mobilen Zugangsdienst etwas genauer unter die Lupe genommen. Der Rechner fährt hoch. Hardy Krause öffnet die Konfigurationssoftware. Die Netzwerk-Einstellungen zeigen eine Frequenz von 802.11b, der Wireless Mode steht auf 'ad-hoc'. Das Signal der Online-Verbindung ist stark genug. Der Internet-Experte ist zufrieden. Er fährt den Mozilla-Browser hoch, wir sind online – wenn auch nur auf dem Proxy Server des Anbieters. Jetzt sind Nutzername und Passwort gefragt. An der Bar des Cafés gibt es diese Daten per Prepaid-Card. Preis: 7 Euro 95 für 1 Stunde. Wenig später surfen wir schon im Internet. Wie? Per WLAN, wie Wireless Local Area Network oder Internet per Funk kurz heißt. Wäre es nicht schön, wenn Sie einfach mit Ihrem Notebook aus dem Park auf Ihren PC im Büro zugreifen könnten? Oder bei einer Latte Macchiato parallel Ihre E-Mails checken und Termine aktualisieren würden? So oder ähnlich werben die Broschüren für WLAN. Und richtig: Was UMTS noch als ferne Vision verspricht, ist bei dem funkgestützten System wireless LAN bereits tägliche Praxis. Immer mehr Nutzer surfen in lokal begrenzten Bereichen mit Hochgeschwindigkeit im Internet. Diese Art des drahtlosen Breitbandzugangs zeigt zunehmend ihr Marktpotenzial. Ob in Hotels und Konferenzzentren, Flughäfen und Bahnhöfen, Kinos und Cafés - Nutzer loggen sich ein, um einen Abstecher ins Internet zu machen, E-Mails abzurufen, aus dem Firmen eigenen Intranet Präsentation, Berichte oder Videos herunterzuladen oder sogar Voice-over-IP aktiv zu nutzen. Die Voraussetzungen sind gering: Laptop oder PDA mit WLAN-Karte. Mehr nicht. Und deren Anzahl wächst steil. Spätestens mit dem immer stärkeren Fall der Laptop-Preise sowie dem neuen Intel Centrino Chip, der WLAN bereits in sich trägt und freies Surfen so ermöglicht. Geringe Investitionen – hohe Geschwindigkeit "Drahtlos ins Internet – hier jetzt sofort mit dslnetair" wirbt das Café Coffeemamas am Hackeschen Markt in Berlin-Mitte. Wir versuchen von außen auf das Funknetz zuzugreifen. Zwar erkennt die Software sofort, dass wir uns in einem mit WLAN versorgten Gebiet befinden. Das Signal ist aber äußerst schwach. Kein Wunder, die Reichweite der WLAN-Verbindungen beträgt 30 bis 100 Meter. Verlässt man den Hotspot-Bereich, verliert man sofort zu Zugang und muss sich einen neuen suchen - und sich erneut anmelden. Denn der Weg zu wirklich Flächen deckenden WLAN-Netzen ist noch weit. Schräg über den Platz finden wir bei Starbucks den nächsten Anschluss. Der amerikanische Kaffeeröster setzt auf T-Mobile. Nicht nur hier wird das WLAN-Angebot als kommerzielles Instrument zur Kundenbindung gesehen: Der Service soll sich in Form zusätzlicher Cappuccinos und Croissants bezahlbar machen. Wir machen den Test. Doch mit der im Quasimodo-Café gerade gekauften und dort auch brav funktionierenden Prepaid-Card kommen wir nicht weiter. Kein Anbieter akzeptiert die Karte eines anderen. An der Kasse erwerben wir den nächsten Voucher. Kostenpunkt: 6,85 Euro für eine Stunde. Einzulösen natürlich nur an T-Mobile-Hotspots. Ein typisches WLAN-Problem. Denn einen einheitlichen Abrechnungsmodus gibt es nicht. Abrechnungsmodi als Hindernis Wie hier bei Starbucks. Denn WLAN als T-Mobile-Kunde ist einfach. Schnell eine SMS mit der gewünschten Gültigkeitsdauer per SMS an den rosa Riesen senden, schon erhält man die Zugangsdaten per SMS, um sich per Laptop auf der Portal-Startseite einzuloggen. Die Abrechnung erfolgt über die Mobiltelefonrechnung. Einfacher geht es nicht. Klarer Sieg für das Mobilfunkunternehmen. Es ist unübersehbar: Ob Vodafone, O2 oder T-Mobile, alle haben schon das immense Marktpotenzial in diesem neuen Standard und damit das große Geschäft mit den drahtlosen Netzen gewittert. Zu Recht. Die Chancen sind gewaltig, wenn man den optimistischen Prognosen der Marktforschungsinstitute folgt. So erbrachte im Frühjahr eine Studie von Fittkau & Maass, dass knapp 13% aller Internet-Nutzer WLAN nutzen bzw. die Nutzung planen. Und die Forscher von Gartner Dataquest sprechen sogar davon, dass bis 2008 mehr als 75 Millionen Nutzer WLAN benutzen. Ein beträchtliches Potenzial – vor allem ohne großes Risiko für die Mobilfunkbetreiber. Denn kein Unternehmen investiert größere Summen in eine eigene WLAN-Infrastruktur. Vielmehr setzen alle auf Partnerschaften mit Hotspot-Betreibern. Und dieses Geschäftsmodell hat Erfolg – für alle Seiten. Nur scheint dieses Wissen um Chancen und Vorteile von WLAN an vielen Köpfen vorbei gegangen zu sein. Auffällig das Unwissen gerade in Internet-Cafés, wie einzelne Stichproben erbrachten: "Wireless LAN? Was ist das?" Oder: "WLAN, das lassen wir hier wegen der Viren nicht zu, wenn sich Fremde einloggen." Rückfrage: "Und beim Surfen gibt es keine Viren?" Achselzucken. Thema beendet. Wissen nicht vorhanden. Zumindest noch. Forscher prognostizieren große Zukunft Gleichzeitig machen es sich immer mehr Netzwerkaktivisten zu eigen, dass WLAN-Frequenzen frei sind. Theoretisch kann jeder sein eigenes Funknetz aufsetzen, um Bürger mit gratis nutzbaren Internet-Diensten aus der Luft zu versorgen. Im amerikanischen Athens, in Athen oder London haben bereits Initiativen wie consume.net Hunderte von Knotenpunkte aufgebaut, indem sich die Netzwerkaktivisten mittels Funk vernetzten. Die Demokratisierung der Medien Wir machen die Probe aufs Exempel und begeben uns auf die Suche direkt am Sitz der Initiative. In der Kinzigstraße im Berliner Bezirk Friedrichshain durchstreifen wir die Gegend nach einem Knotenpunkt. 'War driving' heißt dieses Aufspüren im Fachjargon. Plötzlich zwei Signale, leider zu schwach für den Internet-Zugriff. Mehr ist nicht zu finden. Unser Experte ist genervt. Mit aufgeklapptem Rechner läuft er quer durch Felder und Büsche auf der Suche nach WLAN. "Hier muss es doch ein Netz geben." Doch die Verbindung bleibt tot, der Traum vom demokratischen Informationskanal, von einem freien, überall verfügbaren und von seinen Nutzern selbst mit Leben und Inhalten gefüllten Netzmedium, bleibt noch in den Kinderschuhen stecken. Zumindest hier und heute. Doch auch dieses Beispiel zeigt deutlich auf, dass es immer mehr zukunftsweisende Ansätze gibt, den WLAN-Markt zu erobern - und auch für alle Bürger nutzbar zu machen. Die Pubertät hat dieses Gesamtprojekt zumindest im kommerziellen Hotspot-Bereich bereits erreicht. Aber zum Erwachsensein ist noch ein langer Weg. Und ein ziemlich steiniger dazu. 8.659 Zeichen Dieser Beitrag erschien im: Online-Magazin terradigitalis.net | Kommunikationskultur, März 2004 |
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