EIN METHODENBUCH ALS WERKZEUGKASTEN
Im Sommer 2002 publizierte der Berliner Unternehmensberater und Fachhochschul-Dozent Dr. Armin Fricke das Buch 'Rezeptbuch für Führungskräfte'. Im Interview gibt der Geschäftsführende Gesellschafter der Beratungsgesellschaft CGC Capital-Gain Consultants einen kurzen Einblick in seine Arbeit – auch aus Anlass der Veröffentlichung des Rezeptbuches.
terradigitalis: Herr Dr. Fricke, Sie arbeiten bereits seit vielen Jahren als Unternehmensberater vor allem für die TIME-Branchen. Jetzt geben Sie erstmals ein Rezeptbuch für Führungskräfte heraus. Was hat Sie zu dieser Entscheidung veranlasst?
Fricke: Für diese Frage muss ich einen kleinen Rückblick auf meine beruflichen Anfänge machen. Ich selbst habe die Schule zum Berater als Projektleiter bei Arthur D. Little International gelernt. Dort wurde jedem Mitarbeiter das methodische Handwerkszeug sehr systematisch und vollständig vermittelt. Mir wurde schnell klar, dass jeder Mensch mit Ergebnisverantwortung einen konsistenten Methodenbaukasten als unabdingbare Voraussetzung für eine hochqualitative Tätigkeit benötigt.
Wie sieht dies in der Praxis aus?
Jedes erlernte Wissen lässt sich in der Praxis nur zu einem Bruchteil wirklich einsetzen - allein schon aus zeitlichen Gründen. Gerade in der Endphase läuft jedes Projekt für den Berater unter einem extrem hohen Zeitdruck ab. Alle Konzentration gilt da ganz dem Kunden. Gleichzeitig besitzt jeder Berater seine Lieblings-Charts, Lieblingsdarstellungen, Lieblingsbeispiele, ja wirklich bis hin zu Lieblingswitzen, die er regelmäßig einsetzt. Vor diesem Hintergrund sah ich Bedarf, gutes Methodenwissen praxisgerecht portioniert zusammenzufassen und handhabbar zu präsentieren. In diesem Buch erhält jetzt jeder Praktiker das notwendige methodische Handwerkszeug, das er im Unternehmensalltag benötigt.
Hinzu kommt noch etwas weiteres: In Beratungsprojekten kommt es häufig vor, dass man jüngeren Kollegen erklären muss, wie beispielsweise ein Workshop funktioniert oder eine Präsentation geschrieben wird. Nur wirklich Zeit für ausführliche Erklärungen, für ein intensives Briefing, eine wirkliche Schulung bleibt nicht. Gerade in solchen Momenten lässt sich mein "Rezeptbuch" als sinnvolles Hilfsmittel einsetzen, aus dem sich jeder schnell und kompakt das Wichtigste herausziehen kann.
Für wen ist dieses Buch vorwiegend gedacht?
Das Rezeptbuch stellt alle wesentlichen Führungsaufgaben komprimiert vor - wie Issue Analysis, strukturiertes Schreiben oder Selbstmanagement – und reichert diese mit Beispielen, Checklisten und Tipps an. Vorwiegend ist dieses Buch damit vor allem für Führungskräfte gedacht. Im Grunde aber stellen sich die behandelten Fragen auch vielen anderen: beispielsweise dem Mitarbeiter, der gerade eine Abteilung neu übernommen hat oder sogar meinen Studenten am Fachbereich Wirtschafts- und Gesellschaftswissenschaften an der Technischen Fachhochschule Berlin. Daher habe ich besonders großen Wert auf eine leicht verständliche und praxisnahe Darstellung gelegt.
Gibt es solche Bücher nicht schon in Hülle und Fülle?
In der Vergangenheit ist mir oft aufgefallen, dass viel Literatur zu Einzelwerkzeugen der Methodenlehre existiert. Das heißt, zu jeweils einem Einzelthema wie Recherche, Workshop oder Präsentation. Doch ein Buch, das in komprimierter Form systematisch die einzelnen Instrumente einer Problemanalyse vorstellt und in konkreten Beispielen darlegt, fehlte stets. Diesem Manko wollte ich ein Ende setzen.
Sie haben zahlreiche Fallbeispiele angeführt. Wie realistisch sind sie für den Unternehmensalltag?
Sehr realistisch. Fast alle der aufgeführten Beispiele stammen – selbstverständlich leicht abgeändert - direkt aus dem realen Unternehmensalltag. Meist habe ich sie von Fällen abgeleitet, mit denen ich mich oder Kollegen sich in der Vergangenheit bereits auseinander zu setzen hatten.
Wie groß ist jetzt der Schritt von der Theorie zur Praxis? Glauben Sie, dass sich Ihre Tipps auch umsetzen lassen?
Mir ist durchaus bewusst, wie schwer in vielen Fällen die praktische Umsetzung ist. Jedoch bin ich fest davon überzeugt, dass diese Tipps sich für viele in der Praxis als äußerst nützlich erweisen werden. Ansonsten hätte ich als Praktiker dieses Buch nicht verfasst. Gleichzeitig sollte niemand diese Tipps als Allheilmittel einschätzen. Sie sollen vielmehr einen Denk- und Arbeitsprozess in Gang setzen, der zu den gewünschten Ergebnissen führt. Damit jeder Leser auch unter Zeitdruck schnell ein Rezept auf seine akute Frage findet, habe ich das Buch modular aufgebaut.
Nach welchen Gesichtspunkten haben Sie die Themenbereiche ausgewählt?
Die Orientierung erfolgte eng am Thema. So werden alle aufgeführten Blöcke als methodisches Handwerkszeug benötigt. Selbstverständlich kann dieses Buch nur eine Einführung sein. Eine umfassendere Darstellung würde Umfang und Ziel dieses Buches zerstören. Wer sich aber mit der Materie tiefer beschäftigen will, der findet Literaturtipps und Links im Buch.
Sie bauen derzeit auf Ihrer Homepage einen zusätzlichen Download-Bereich für Ihre Leser aus. Welchen Zusatznutzen wird dieser bieten?
Wir haben uns von Anfang an dazu entschieden, online und offline eng miteinander zu verzahnen. So stellen wir alle in diesem Buch aufgeführten Checklisten auch online unter http://www.capital-gain.de/rezeptbuch kostenlos zum Download bereit. Auch weitere Materialien rund um das Buchthema werde ich dort kontinuierlich bereit stellen. Dies wird von Links, über Checklisten bis zur Besprechung neuer Bücher reichen. Ein anderer Vorteil dieser Verzahnung ist der enge Kontakt mit dem Leser. Ich würde es mir wünschen, wenn sich viele Nutzer direkt mit Tipps, Anregungen wie Kritiken an mich wenden. Diese werde ich dann in einer 2. Auflage gerne aufgreifen.
Herr Dr. Fricke, herzlichen Dank für dieses Gespräch.
Erschienen im: Online-Magazin terramag! (heute: terradigitalis.net | Kommunikationskultur), 2003