LEIDER VERLOREN !
Der Schlusskommentar zur Internet World 2002 über Neuigkeiten, die keine waren. 5 Thesen.
Alles vorbei. Die Internet World 2002 ist Geschichte. Zeit für eine Bilanz. Wie bei so vielen auch auf terradigitalis.com. 32.500 Gäste zählte die so oft gepriesene weltgrößte Zusammenkunft der 'Internetler'. In ganzen 3 Tagen. Wenigstens laut Veranstalter ComMunic. Und jubelte über das "ungebrochene Interesse am Internet". Trotz Besucherschwund von fast 60 Prozent im Vergleich zu den 74.000 des letzten Jahres. Trotz Rückgang der Aussteller um 350 auf 550 – natürlich inklusive Unteraussteller. Doch belassen wir das mit der Zahlenglauberei. Denn eigentlich stellt sich am Ende jeder Messe doch nur eine überragende Frage: What's new? O.k., reißen wir also unsere Augen mal gaaaaaanz weit auf und suchen nach Fakten, Fakten, Fakten. Wir stellen fest:
These 1: Die Ausrichtung der Messe hat sich gewandelt!
Antwort: Nein! Zwar hat die Internet World mit den Untermessen Streaming Media, Mobile World, Call Center Trends und ISPCON/ASPCON schon 4 kleine Töchter geboren. Doch die Windeln hat noch keine abgelegt. Ein paar Stände hier, ein paar dort, eine Halle kann aber keine von ihnen füllen. Dabei sollen dies doch die Techniken der Zukunft sein. Viele Marktführer hatten dies übrigens schon im Vorfeld gewusst. Sie waren gar nicht erst gekommen. Gratulation zu so viel Weitsicht.
These 2: Die Messe setzte neue Themenschwerpunkte!
Antwort: Nein! Die so 'hotten' Themen hießen im Jahr 2002 CMS, E-Payment, Mobile Business. Und was hatte sich die Messe nochmals im vergangenen Jahr auf ihre Fahnen geschrieben? CMS, E-Payment, Mobile Business. Aha. Sie sehen schon. War wirklich neu dieses Jahr, wasn't it?.
These 3: Die Besucher haben sich gewandelt!
Antwort: Nein! Schwarze Anzüge, graue Kostümchen und einige mehr als rare Farbkleckse. Und meisten dabei, Karten zu spielen – mit Visitenkarten natürlich. Nicht dass hier ein falscher Eindruck rüberkommt. Der einzige kleine Unterschied: Es sind deutlich weniger geworden. Aber das hatten wir ja schon.
These 4: Die Produkte sind neu!
Antwort: O.k., niemand würde alte Produkte auf einer Messe vertreiben. Und zugegeben, es gab schon ein paar Highlights - aber eher winzig von Statur. Beispiel glonz.com: hier lassen sich die eigenen E-Mails, Termine und Adressen per Telefon vorlesen. Und nicht einmal eine 0190er-Nummer ist notwendig. Wow! Und alles natürlich kostenlos. Hä? War da nicht was? Erinnert dies nicht fatal an viele vergangene Services? Erst war alles umsonst - und alle stürmten herbei. Dann kamen Kosten auf - und alle hauten wieder ab - so schnell und unverblümt, wie sie gekommen waren? Beispiel personello.com: hier können Sie sich Produkte online beschriften und bebildern lassen. 'Design it online' also - egal ob Teller, Kaffeetasse, Aufkleber, T-Shirt oder das allseits beliebte Mousepad. Wäre das nichts für Sie? Nein? Sie sind nicht begeistert? Ich auch nicht. Hat trotzdem den Internet World Germany Award in der Kategorie "Beste Anwendung" gewonnen. Sie wundern sich darüber? Ich schon lange.
These 5: Die Journalisten waren pausenlos auf der Suche nach der Big Schlagzeile!
Antwort: Nein! Vielen war sogar so langweilig, dass sie die Zeit mit einem Spiel totschlugen. Welches Spiel fragen Sie? Das Quiz um den klügsten und geschicktesten Journalisten auf journalismus.com. Der Pisa-Test für Journalisten sozusagen. Oder hätten Sie ehrlich gesagt etwas anderes erwartet?
Aber zurück auf die Messe und die Suche nach den News. Irgendwann musste doch der große Knüller kommen, oder? Nein, nein und nochmals nein. Aber stopp: Da war doch was. Stimmt. Auf dem Weg zur Messe. Diese Menschen mit den wedelnden Eintrittskarten. Genau: Die Schwarzmarkthändler. In den vergangenen Jahren undenkbar – klar, bei freiem Eintritt nach Online-Registrierung. Doch jetzt, da eine Registrierung nur einen 50%-Rabatt brachte, dachten wohl viele Händler an den große Reibach. Erfolgreich waren sie nicht. Der Grund: Die berühmte Konjunktur. Kräftig hatten sie mit der Nachfrage zu kämpfen - wie bei einem nicht ausverkauften Fußballspiel. 20 Euro hieß der Preis noch am ersten Tag. Am Dritten waren es 10 Euro – morgens, mittags 5 Euro und danach .... keine Ahnung. Denn da war auch dieser Schreiberling abgereist – wie die große Meute. Und ob er wiederkehren wird? Keine Ahnung. Aber wahrscheinlich doch. Wieder mal auf der Suche nach den News. Und es soll doch immer welche geben. Sagt man wenigstens. Nur wo?
Tschüss bis zum nächsten Mal
Euer Schreiberling
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Dieser Beitrag erschien im: Online-Magazin terramag! (heute: terradigitalis.net | Kommunikationskultur) Herbst 2002